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71. Kongress der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie

Nordrhein-Westfälische Gesellschaft für Urologie e. V.
16.-17.04.2026
Essen

Meeting Abstract

Klinische Charakteristika, Therapieverläufe und onkologische Ergebnisse beim duktalen Prostatakarzinom: eine multizentrische retrospektive Analyse

Analena Handke - Marienhospital Herne, Herne, Deutschland
Pia Paffenholz - Universitätsklinikum Köln, Köln, Deutschland
Katrin Schlack - Universitätsklinikum Münster, Münster, Deutschland
Konstantin Seifert - Universitätsklinikum Münster, Münster, Deutschland
Johannes Linxweiler - Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg, Deutschland
Jan Mink - Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg, Deutschland
Fidelis Flockerzi - Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg, Deutschland
Tim Nestler - Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz, Koblenz, Deutschland
Mike Wenzel - Universitätsklinikum Frankfurt, Frankfurt, Deutschland
Carolin Siech - Universitätsklinikum Frankfurt, Frankfurt, Deutschland
Christopher Darr - Universitätsklinikum Essen, Essen, Deutschland
Viktor Grünwald - Universitätsklinikum Essen, Essen, Deutschland
Joachim Noldus - Marienhospital Herne, Herne, Deutschland
Florian Roghmann - Marienhospital Herne, Herne, Deutschland
Karl Tully - Marienhospital Herne, Herne, Deutschland

Text

Einleitung: Das duktale Adenokarzinom der Prostata (PDA) ist ein seltener, jedoch aggressiver Subtyp des Prostatakarzinoms, der mit fortgeschrittener Erkrankung und ungünstiger Prognose im Vergleich zum azinären Adenokarzinom assoziiert ist. Die korrekte Identifikation seiner klinisch-pathologischen Merkmale ist entscheidend, da das Vorliegen eines duktalen Anteils Therapieentscheidungen wesentlich beeinflusst und aktive Überwachung ausschließt. Ziel dieser multizentrischen Studie war die Analyse onkologischer Ergebnisse und therapeutischer Strategien bei Patienten mit PDA.

Methode: Es wurde eine retrospektive multizentrische Analyse in sieben urologischen Hochvolumen-Zentren in Deutschland durchgeführt. Eingeschlossen wurden 82 Patienten, bei denen in den letzten zehn Jahren ein PDA diagnostiziert wurde. Erfasst wurden histopathologische Daten aus Biopsien und Prostatektomiepräparaten sowie therapeutische Verläufe, Zeit bis zur biochemischen Rezidivfreiheit und Follow-up bis 2025. Multivariable Regressionsanalysen identifizierten Prädiktoren ungünstiger onkologischer Ergebnisse.

Ergebnisse: Die Mehrzahl der Patienten wies ein hohes (58,5%) oder intermediäres Risiko (32,9%) auf. Bei Diagnosestellung zeigten 9,8% eine synchrone Metastasierung. Von den übrigen Patienten erhielten 92,7% eine radikale Prostatektomie und 7,3% eine Radiotherapie. Nach der Operation fanden sich bei 25% Lymphknotenmetastasen und bei 22,1% positive Resektionsränder. Das mediane Follow-up betrug 36 Monate (M.). Nicht metastasierte Patienten benötigten im Median nach 23 Monaten eine systemische Therapie. Ein hoher prä- oder postoperativer Gleason-Score (≥8) war mit einem signifikant erhöhten Risiko für eine Systemtherapie assoziiert (HR präoperativ 3,36; postoperativ 5,06). Unter den Patienten mit Systemtherapie (n=24) war die Dauer der ADT-Monotherapie länger (27,2 M.) als unter ARPI (10,9 M.) oder Chemotherapie (6,1 M.)

Schlussfolgerung: Das PDA stellt einen aggressiven Subtyp des Prostatakarzinoms mit frühem systemischem Progress dar. Hohe Gleason-Scores sind prädiktiv für die Notwendigkeit einer Systemtherapie und unterstreichen ihren prognostischen Wert. Trotz der aggressiven Biologie deutet das längere Ansprechen auf ADT auf eine gewisse Androgensensitivität hin. Die Therapiedauer spiegelt vermutlich Krankheitsaggressivität und Patientenselektion wider und verdeutlicht die biologische Heterogenität des PDA. Weitere Studien sind nötig, um Behandlungsstrategien zu optimieren.