71. Kongress der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie
71. Kongress der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie
7-Jahres Daten zum Peniskarzinom aus der VERSUS-Studie von d-uo
Text
Einleitung: Seit Mai 2018 dokumentieren Mitglieder von d-uo urologische Tumorerkrankungen im Rahmen der prospektiven VERSUS-Studie. In der vorliegenden Arbeit wurde das sehr seltene Peniskarzinom bei Patienten mit der Erstdiagnose Peniskarzinom (C 60.-, D07.4) untersucht.
Daten aus der Versorgungsforschung, die die tatsächliche Behandlungsrealität in Deutschland abbilden, fehlen bislang weitgehend.
Methode: Es handelt sich bei der VERSUS-Studie („VERSorgUngsStudie“) um eine nicht-interventionelle, prospektive, multizentrische Registerstudie zur Dokumentation und deskriptiven statistischen Auswertung von Diagnostik, Behandlungsverlauf und Nachsorge uro-onkologischer Patienten. In die VERSUS-Studie werden alle Patienten mit einer urologischen Tumorerkrankung eingeschlossen.
Ergebnisse: Mit Stand Dezember 2025 wurden 33.531 Patienten mit der Erstdiagnose einer urologischen Tumorerkrankung dokumentiert. Bei 182 Patienten (0,5%) lag ein Peniskarzinom vor. Das mediane Alter betrug 70,3 Jahre. In 64,4% der Fälle lag ein lokal begrenztes Tumorleiden (Ta–T1) vor, während 35,6% der Patienten bereits ein lokal fortgeschrittenes oder metastasiertes Peniskarzinom (T2–T4, N1-N3, M1) aufwiesen.
In unserer Datenbank wurde bei 36,8% der Patienten das Peniskarzinom aufgrund einer tumorbedingten klinischen Symptomatik diagnostiziert. In 22,0% der Fälle im Rahmen einer Selbstuntersuchung, während bei 16,0% der Patienten das Peniskarzinom im Zuge einer allgemeinen Vorsorgeuntersuchung entdeckt wurde. Patienten, bei denen zum Zeitpunkt der Diagnosestellung eine klinische Tumorsymptomatik vorlag, präsentierten sich überwiegend mit fortgeschritteneren Tumorstadien (pT1b–pT3).
Bei den lokalen Therapien fanden sich bei 27,2% oberflächliche Karzinome (pTa, pTis) und in 21,4% prognostisch ungünstigere Stadien (pT1b – pT2). Die häufigsten Einzelmaßnahmen waren die primäre Tumor-Exzision (50 %) sowie die radikale Zirkumzision mit 70%. Penisamputationen fanden sich mit 44,2% ab pT2-Stadien, allerdings in 7% auch bei pTa – pT1. Nur 3,4% erhielten eine Sentinel-Lymphadenektomie. Die primäre LAE erfolgte in 1,9%. In 16,2% erfolgte eine sekundäre Lymphadenektomie, nach Vorliegen der Histopathologischen Befunde der Primärtherapie.
Schlussfolgerung: Die Analyse der operativen Therapien zeigt, dass trotz überwiegend lokal begrenzter Tumore ein signifikanter Anteil an Penisamputationen auch bei frühen Stadien durchgeführt wurde. Die standardisierte Sentinel-Lymphadenektomie zu selten erfolgte. Dies deutet auf mögliche Übertherapien hin und weist auf einen Bedarf an leitliniengerechter Schulung und Sensibilisierung der Behandler hin.



