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71. Kongress der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie

Nordrhein-Westfälische Gesellschaft für Urologie e. V.
16.-17.04.2026
Essen

Meeting Abstract

Digitale Therapie bei OAB – Ergebnisse der Evaluationsstudie von kontina®

Christian Hampel - Marienhospital Erwitte, Erwitte, Deutschland
Michael Siebels - Gemeinschaftspraxis Urologie Pasing, München, Deutschland
Steffi Kabisch - Praxis Dr. med. Steffi Kabisch, Annaberg-Buchholz, Deutschland
Anne Uhlemann - Apogepha Arzneimittel GmbH, Dresden, Deutschland
Stefanie Witecy - Apogepha Arzneimittel GmbH, Dresden, Deutschland
Heinrich Schulte-Baukloh - Urologie Turmstraße MVZ GmbH, Berlin, Deutschland

Text

Einleitung: Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) bieten neue Ansätze zur Therapie von Patient:innen mit überaktiver Blase (OAB). Die DiGA kontina® wurde entwickelt, um evidenzbasiertes Wissen und verhaltenstherapeutische Maßnahmen wie Blasentraining und Modifikation des Trink- und Miktionsverhaltens digital zugänglich zu machen. Gleichzeitig bietet kontina® ein digitales Blasentagebuch sowie akute Hilfe bei imperativem Harndrang. Ziel der hier vorgestellten Studie ist die Bewertung des klinischen Nutzens von kontina® im Vergleich zum Standard of Care (SoC).

Methoden: In einer multizentrischen, randomisierten, kontrollierten Studie wurden in dieser Interimsanalyse 73 Patient:innen mit OAB mit oder ohne Dranginkontinenz oder Mischharninkontinenz mit dominierender Drangsymptomatik im Verhältnis 1:1 auf eine Interventionsgruppe (IG) und eine Kontrollgruppe (KG) verteilt. Die IG erhielt für 12 Wochen Zugang zur kontina®, während die KG den SoC (papierbasiertes Infomaterial) erhielt. Daten wurden nach 6 und 12 Wochen erhoben. Primäre Endpunkte waren die Veränderung der Miktionen pro 24 Stunden sowie die gesundheitsbezogene Lebensqualität (HRQoL), gemessen anhand des OAB-q. Sekundäre Endpunkte umfassten die Veränderung der Drangepisoden pro 24 Stunden und die Symptombelastung, ebenfalls gemessen anhand des OAB-q.

Ergebnisse: Bereits nach 6 Wochen zeigte die IG eine Reduktion der Anzahl der Miktionen um -0,9 (Baseline 8,05), während diese in der KG um +0,5 anstieg (Baseline 9,63). Auch verringerte sich die Anzahl der Drangepisoden (-53%) sowie die Symptombelastung (11,2 Punkte) gegenüber der KG (-8% bzw. -3,0 Punkte). Nach 12 Wochen blieben diese Effekte stabil oder verbesserten sich noch weiter. Parallel dazu stieg die HRQoL in der IG (+9,5 Punkte) im Vergleich zur KG (+4,6 Punkte) bereits nach 6 Wochen und verbesserte sich weiter bis Woche 12 (+14,2 Punkte IG bzw. +9,7 Punkte KG). Studienteilnehmer bewerteten dabei die DiGA als hilfreich und spürten eine deutliche Verbesserung ihrer Symptomatik.

Schlussfolgerung: Die ersten Interimsergebnisse zeigen, dass kontina® eine effektive digitale Therapieoption für OAB Patient:innen mit und ohne Harninkontinenz darstellt. Sie führt zu einer relevanten Symptomreduktion und einer Verbesserung der Lebensqualität innerhalb von 12 Wochen. Die Integration von kontina® in die urologische Versorgung kann die Behandlung von OAB substanziell optimieren und den Behandlungserfolg sowie die Patientenzufriedenheit steigern.