71. Kongress der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie
71. Kongress der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie
Kribriformes Prostatakarzinom: Klinische Charakteristika, Risikofaktoren und onkologische Ergebnisse eines Hochrisiko-Subtyps
Text
Einleitung & Zielsetzung: Das kribriforme Prostatakarzinom(cPCa) wird zunehmend als eigenständiges histologisches Wachstumsmuster erkannt, das mit aggressivem biologischem Verhalten und einer ungünstigeren Prognose im Vergleich zum azinären Adenokarzinom assoziiert ist. Sein Nachweis ist mit ungünstigen pathologischen Merkmalen verbunden und schließt Patienten von einer aktiven Überwachung aus. Ziel dieser Studie war die Analyse onkologischer Ergebnisse und therapeutischer Strategien bei Patienten mit cPCa in einem Single-Center-Setting.
Material & Methoden: In einer retrospektiven Analyse wurden 401 Patienten untersucht, die von 01/2020 bis 12/2021 sowohl eine Prostatabiopsie als auch eine radikale Prostatektomie in einem High-Volume-Zentrum erhielten. Davon erfüllten 112 die Einschlusskriterien. Erfasst wurden histopathologische Befunde, therapeutische Verläufe, der Zeitpunkt des biochemischen Rezidivs und das Follow-up bis August 2025. Prädiktoren für ungünstige onkologische Ergebnisse wurden mittels multivariabler Cox-Regression identifiziert.
Ergebnisse: Die Mehrheit der Patienten wies ein hohes (66,1%) oder ein intermediäres Risiko (30,4%) auf. Bei 40 Patienten wurde das cPCa bereits in der Biopsie, bei weiteren 72 Patienten erst im Prostatektomiepräparat diagnostiziert. Bei Diagnosestellung zeigten 6,3% eine synchrone Metastasierung. Nach Prostatektomie fanden sich Lymphknotenmetastasen bei 19,2% und positive Resektionsränder bei 16,4%. Das mediane Follow-up betrug 54 Monate. Unter den nicht metastasierten Patienten benötigten 24,1% eine Systemtherapie mit einem Median von 17 Monaten. Ein hoher Gleason-Score (≥ 8) (HR 3,09; p=0,013), Lymphknotenbefall (HR 2,23; p=0,024) und ein lokal fortgeschrittenes Stadium (≥ T3) (HR 3,36; p=0,008) waren unabhängig mit erhöhtem Risiko für eine Systemtherapie assoziiert. Bei metastasierter Erkrankung zeigten sich keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich der Therapiedauer oder der Zeit bis zur Kastrationsresistenz (Median 5,5 Monate; p=0,179).
Schlussfolgerung: Das cPCa stellt einen aggressiven Subtyp mit ausgeprägten Risikomerkmalen und einer ungünstigen Prognose dar. Die meisten Patienten zeigten ein lokal fortgeschrittenes oder nodal-positives Tumorstadium, und der frühe Bedarf an Systemtherapie weist auf die begrenzte Wirksamkeit lokaler Therapien hin. Prospektive Studien sind erforderlich, um den potenziellen Nutzen einer frühzeitigen multimodalen Therapie bei dieser Hochrisikogruppe zu untersuchen.



