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71. Kongress der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie

Nordrhein-Westfälische Gesellschaft für Urologie e. V.
16.-17.04.2026
Essen

Meeting Abstract

MiR-371a-3p (miRNA-371) als Biomarker zur Überwachung der Krankheitsaktivität bei Patienten mit metastasiertem Keimzelltumor unter PEB-Chemotherapie

Olivia Steenbock - Uniklinik Köln, Urologie, Köln, Deutschland
Felix Seelemeyer - Uniklinik Köln, Urologie, Köln, Deutschland
Roberto Pappesch - Uniklinik Köln, Pathologie, Köln, Deutschland
David Pfister - Uniklinik Köln, Urologie, Köln, Deutschland
Axel Heidenreich - Uniklinik Köln, Urologie, Köln, Deutschland

Text

Einleitung: miR-371a-3p (miRNA-371) ist ein vielversprechender Biomarker für Keimzelltumoren. Seine Expression im Blut könnte eine nicht-invasive Methode zur Überwachung des Therapieansprechens bieten. Ziel dieser Studie war die Analyse der miRNA-371-Spiegel vor und nach einer PEB-Chemotherapie (Cisplatin, Etoposid, Bleomycin) bei Patienten mit metastasiertem Seminom und nicht-seminomatösen Keimzelltumoren (NSKZT).

Methoden: Es wurde eine retrospektive Analyse der miR-371a-3p-Expression bei Patienten durchgeführt, die zwischen 2022 und 2025 eine systemische PEB-Chemotherapie erhielten. Die miRNA-Expressionsniveaus wurden aus Serumproben mittels reverser Transkriptase-quantitativer Polymerase-Kettenreaktion (RT-qPCR) bestimmt. Für jede Probe wurden Crossing-Point-(Cp-)Werte ermittelt und mittels ΔΔCp-Methode in relative Quantifizierungswerte (RQ) umgerechnet. Die Dynamik der miRNA-371-Spiegel sowie deren Korrelation mit dem klinischen Ansprechen wurden untersucht. RQ-Werte <5 wurden als negativ, >10 als positiv gewertet.

Ergebnisse: Bei Patienten mit Seminom waren die miRNA-371-Spiegel vor der Chemotherapie signifikant höher als nach der Behandlung (Median 138,6 vs. 4,19; p = 0,0010). Bei 7 von 11 Patienten fielen die Werte in den nicht nachweisbaren Bereich, bei zwei Patienten in den unbestimmten Bereich. Zwei Patienten zeigten trotz bildgebender Regression persistierend positive miRNA-371-Werte nach der Chemotherapie; beide entwickelten ein Frührezidiv. Bei Patienten mit Zwischenergebnissen während der Chemotherapie zeigte sich ebenfalls ein statistisch signifikanter Rückgang (p = 0,0078), obwohl die meisten Werte positiv blieben (Median 445,5 vs. 11,71).

In der NSKZT-Kohorte lagen Daten vor Behandlungsbeginn sowie am Aufnahmetag des dritten Therapiezyklus vor. Die miR-371a-3p-Spiegel sanken nach zwei Zyklen PEB signifikant ab (p = 0,0156), wobei die meisten Patienten jedoch weiterhin positive Werte aufwiesen. Die miRNA-371-Spiegel vor der Chemotherapie korrelierten signifikant mit der initialen Tumorgröße (Spearman r = 0,8239, p = 0,0001), während nach der Chemotherapie kein Zusammenhang mit der Residualtumorgröße bestand (Spearman r = -0,01425, p = 0,9645).

Schlussfolgerungen: Die miRNA-371-Spiegel nehmen nach PEB-Chemotherapie bei Patienten mit Seminom und NSKZT signifikant ab. Unsere Ergebnisse unterstützen die Rolle von miRNA-371 als potenziellen Biomarker zur Überwachung der Krankheitsaktivität und des Therapieansprechens bei Keimzelltumoren.