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Jahrestagung Kinderurologie 2026


16.-17.01.2026
Mainz

Meeting Abstract

Der paratesikuläre fibröse Pseudotumor – eine seltene gutartige Tumorentität

Nina Younsi - Zentrum für Kinder-, Jugend- und rekonstruktive Urologie, Mannheim, Deutschland
Raimund Stein - Zentrum für Kinder-, Jugend- und rekonstruktive Urologie, Mannheim, Deutschland

Text

Einleitung: Der paratestikuläre Pseudotumor (PFP) ist eine sehr seltene, gutartige Tumorentität mit aktuell nur knapp 200 publizierten Fällen. Die endgültige Diagnose wird anhand der Histologie gestellt.

Fallbericht: Bei einem 16-jährigen Patienten zeigte sich im Rahmen einer endokrinologischen Abklärung eine paratestikuläre indolente Verhärtungen im linken Hemiskrotum. Anamnestisch waren weder Infektionen, noch Traumata erinnerlich. Schmerzen im Genitale bestanden nicht. Die sonstige Anamnese war nebst einer Adipositas per magna blande. In der körperlichen Untersuchung zeigten sich bei regelhaft deszendierten Hoden multiple paratestikuläre perlartige und nicht mit der Umgebung adhärente Raumforderungen. Sonographisch zeigten sich benannte Raumforderungen gewebedicht und ohne eindeutigen Verkalkungen.

Bei V.a. skrotale Atherome, mit jedoch insgesamt unklarer Raumforderung des linken Skrotums, erfolgte die Exzision mit Schnellschnittuntersuchung. In der histopathologischen Untersuchung zeigte sich ein paratesikulärer fibröser Pseudotumor.

Diskussion: PFP sind gutartige, seltene Läsionen paratestikulärer Strukturen, die 6 % aller paratestikulären Läsionen ausmachen. Die häufigsten PFP entstehen in der Tunica vaginalis, weniger als 10 % entstammen dem Nebenhoden oder dem Samenstrang. Sie können durch eine Infektion, ein Trauma oder eine Entzündung ausgelöst werden.

PFP treten in der Regel mit einer einseitigen schmerzlosen Tumorformation auf. Der Erkrankungsgipfel liegt im 3.Lebensjahrzehnt, wobei sie in jedem Alter auftreten können. In der Hälfte der Fälle findet sich eine Hydrozele und in 30 % eine Epididymorchitis/Trauma in der Vorgeschichte. Keines dieser Merkmale lag in unserem Fall vor.

Die Sonographie zeigt typischerweise gut definierte, homogen hypoechogene Läsionen in paratestikulärer Lage. Es können kleine Kalzifizierungsherde vorhanden sein. Das MRT zeigt ein schwaches T1-Signal und kann hilfreich sein um andere paratestikuläre Läsionen wie z.B. Sarkome auszuschließen.

Die Behandlung von PFP ist eine Herausforderung, da sie in Bezug auf Lage und Konsistenz einer bösartigen Erkrankung ähneln. Daher unterziehen sich viele Patienten unnötigerweise einer radikalen Orchiektomie, wobei die Diagnose einer PFP erst durch die histologische Untersuchung gestellt wird. In unserem Fall bestand klinisch der V.a. Atherome, da die multiplen Massen nicht mit dem Hoden und Nebenhoden in Verbindung standen. Ultraschall- und MRT-Untersuchungen können hilfreich sein, um die Gutartigkeit der paratestikulären Tumore zu bestätigen. Die endgültige Diagnose einer PFP wird jedoch erst durch die Histologie gestellt.

In der Literatur gibt es keinen Konsens bezüglich der Nachsorge. In unserem Fall zeigte eine erneute Ultraschalluntersuchung 3 und 6 Monaten postoperativ kein Wiederauftreten der paratestikulären Läsionen.