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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Sex/Gender-Bias-Checkliste: Pilotierung am Beispiel von Beobachtungsstudien zum beruflichen Risiko für Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) und Depressionen

Michaela Prigge - Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Prävention arbeitsbedingter Erkrankungen, Deutschland
Alice Freiberg - Technische Universität Dresden, Institut und Poliklinik für Arbeits- und Sozialmedizin, Dresden, Deutschland
Janice Hegewald - Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Prävention arbeitsbedingter Erkrankungen, Deutschland
Gabriela Petereit-Haack - Regierungspräsidium Darmstadt, Fachzentrum für medizinischen Arbeitsschutz, Deutschland
Andreas Staudt - Technische Universität Dresden, Institut und Poliklinik für Arbeits- und Sozialmedizin, Dresden, Deutschland
Jens Bucksch - Pädagogische Hochschule Heidelberg, Fakultät III – Abteilung Prävention und Gesundheitsförderung, Heidelberg, Deutschland
Eva Becher - Universität Bielefeld, Medizinische Fakultät OWL, Bielefeld, Deutschland
Rieka von der Warth - Universitätsklinikum Bonn, Institut für Hausarztmedizin, Bonn, Deutschland
Andreas Seidler - Technische Universität Dresden, Institut und Poliklinik für Arbeits- und Sozialmedizin, Dresden, Deutschland

Text

Hintergrund: Die Perspektive der geschlechtsspezifischen Verzerrung (Sex/Gender-Bias) wird in Instrumenten zur Bewertung der Studienqualität in systematischen Reviews selten berücksichtigt. Eine 2019 entwickelte Sex/Gender-Bias-Checkliste wurde unter Beteiligung einer Expert:innengruppe in mehreren Feedbackschleifen für arbeitsepidemiologische Forschungsfragen und Beobachtungsstudien weiterentwickelt.

Zielsetzung/Fragestellung: Ziel war es, die Anwendbarkeit der Checkliste auf Grundlage eines bestehenden systematischen Reviews zum beruflichen Risiko für PTBS und traumabedingte Depressionen (Petereit-Haack et al. 2020) pilothaft zu testen.

Material & Methoden: Die Pilotierung erfolgte zunächst an acht Primärstudien (25% der 31 Beobachtungsstudien) durch zwei erfahrene Reviewerinnen. Anschließend wurde die Sex/Gender-Bias-Checkliste mit sechs Items zu „Rekrutierung (1)“, „Erhebungsinstrumente (2)“, „Confounding und Effektmodifikation (3)“, „Ergebnisse (4)“, „Hintergrund (5)“ und „Diskussion (6)“ erneut geprüft, überarbeitet und auf die weiteren Primärstudien angewendet. Die Dauer der Bewertung wurde erfasst sowie die Interrater-Reliabilität aller Primärstudien (n = 31) berechnet und nach Landis & Koch (1977) eingeordnet.

Ergebnisse: Bei den Primärstudien (n = 8) lag für die Items (2) bis (6) eine moderate [Item (4): 0,556; Item (3): 0,600] bis sehr gute [Item (6): 0,784; Item (2) und (5): 1,00] Übereinstimmung der Reviewerinnen vor. Für Item (1) konnte eine hinreichende Beurteilerübereinstimmung mit einem Kappa-Wert von 0,226 erreicht werden. Nach Konkretisierung der Itemdefinitionen und der Bewertung eines niedrigen bzw. hohen Risiko für Sex/Gender Bias konnte die Interrater-Reliabilität bei allen Items verbessert werden. Für alle Primärstudien wiesen die Items (2) bis (6) eine gute [Item (4): 0,625; Item (3): 0,641; Item (5): 0,778] bis sehr gute [Item (2): 0,872; Item (6): 0,892] Beurteilerübereinstimmung auf. Für Item (1) ergab sich eine moderate Übereinstimmung mit einem Kappa-Wert von 0,544. Die durchschnittliche Bewertungsdauer betrug etwa 11 Min. (min.: 4 Min.; max.: 23 Min.).

Diskussion: Die angepasste Checkliste ermöglicht eine Identifizierung von geschlechtsspezifischen Verzerrungen in arbeitsepidemiologischen Studien und trägt zur Weiterführung der Diskussion um mögliche geschlechtsspezifische Verzerrungen bei.

Take Home Message für die Praxis: Mit der Sex/Gender-Bias-Checkliste können geschlechtsspezifische Verzerrungen in arbeitsepidemiologischen Beobachtungsstudien identifiziert werden. Dies ist relevant, um Prävention zielgruppengerecht planen zu können.

Interessenkonflikte: Keine