- Conferences Overview
- Gesundheit gestalten
- Perspektive der beteiligten Stakeholder – Qualitative Interviews mit Hausärzt:innen, Link-Workern, Praxis- und Studienpersonal
Gesundheit gestalten
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen
Gesundheit gestalten
Perspektive der beteiligten Stakeholder – Qualitative Interviews mit Hausärzt:innen, Link-Workern, Praxis- und Studienpersonal
Text
Zielsetzung: Wie bewerten beteiligte Stakeholder – insbesondere Hausärzt:innen und Praxispersonal – das Konzept des Sozialen Rezepts und dessen Umsetzung im Rahmen der Machbarkeitsstudie?
Methoden: 18 semistrukturierte, episodische Interviews wurden mit beteiligten Stakeholdern durchgeführt, aufgezeichnet, transkribiert und pseudonymisiert. Die Auswertung erfolgt mittels thematischen Kodierens nach Uwe Flick.
Erste Ergebnisse: Soziale Probleme in der Hausarztpraxis: Hausärzt:innen beschreiben soziale Probleme als allgegenwärtig und medizinisch relevant, sehen deren komplexe Versorgung aber häufig strukturell außerhalb ihrer Möglichkeiten – geprägt von Zeitmangel, fehlender Expertise und einer unübersichtlichen und dynamischen Angebotslandschaft.
Erfahrungen mit der Studie: Die Motivation zur Studienteilnahme speist sich aus dem Wunsch nach Entlastung und der Hoffnung auf eine strukturierte Lösung für soziale Problemlagen von Patient:innen. Auf praktischer Ebene werden die Randomisierung, exkludierende Studieneinschlusskriterien und der bürokratische und damit zeitliche Mehraufwand als Hürden erlebt. Als förderlich gilt der aktive Rückhalt der Praxis. Ebenso förderlich ist eine gute Anbindung und Kommunikation mit der Studienkoordination sowie eine pragmatische Haltung für Studienabläufe und -limitationen. Der wahrgenommene Nutzen für Patient:innen wird positiv eingeschätzt, ein strukturiertes Feedback der Link Worker:in zum weiteren Verlauf jedoch vermisst.
Auffassung zum Konzept Soziales Rezept: Das Konzept wird grundsätzlich positiv bewertet – insbesondere als niedrigschwellige, präventive Ergänzung zur medizinischen Versorgung. Gleichzeitig zeigt sich ein heterogenes Verständnis dessen, was ein „Soziales Rezept“ konkret umfasst: Während einige Hausärzt:innen es als strukturierte Vermittlung in gemeindenahe Unterstützungsangebote verstehen, interpretieren andere es eher im Sinne klassischer Sozialarbeit, etwa zur Organisation von Pflegeleistungen oder zur Lösung sozialrechtlicher Problemlagen. Diese unterschiedlichen Auffassungen gehen mit variierender Erwartungshaltung und Nutzung einher und erweisen sich als zentral für die Akzeptanz und Integration in den Praxisalltag.
Zugleich überwiegt eine nüchterne Einschätzung: Das Soziale Rezept wird nicht als Lösung für strukturelle Versorgungsprobleme gesehen, sondern als sinnvoller Beitrag innerhalb bestehender Grenzen.
Diskussion: Aus den Ergebnissen der Interviews, ergeben sich zentrale Anforderungen für die Umsetzung: klar strukturierte, praktikable Abläufe, eine Reduktion administrativer Anforderungen, eine enge Anbindung und Unterstützung durch die Studienkoordination sowie ein strukturiertes Feedback zu den Link-Worker-Beratungen an die Praxen.
Zugleich erweist sich das Verständnis des Konzepts als entscheidend für dessen Nutzung im Praxisalltag, da unterschiedliche Auffassungen mit variierender Erwartung und Anwendung einhergehen.
Interessenkonflikte: Keine



