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Gesundheit gestalten
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen
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Sexualisierte Gewalterfahrungen junger Menschen. Ergebnisse der Jugendsexualitätsstudie 10. Welle
Text
Hintergrund: Vor dem Hintergrund, dass eine umfassende sexuelle Bildung positive Auswirkungen auf die Prävention sexualisierter Gewalt hat, werden seit 2001 in der Jugendsexualitätsstudie des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG, ehemals BZgA) auch Daten zu Erfahrungen sexualisierter Gewalt bei jungen Menschen erfasst.
Methode: In der 10. Welle der Jugendsexualitätsstudie wurden 5.855 Jugendliche (n = 3.514, Geschlecht: weiblich: 2.013, männlich: 1.489, divers: n = 12; Alter: 14–17 Jahre) und junge Erwachsene (n = 2.341, Geschlecht: weiblich: 1.543, männlich: 767, divers: n = 31; Alter: 18–25 Jahre) unter anderem zu Erfahrungen sexualisierter Gewalt ohne und mit Körperkontakt sowie dem Offenlegungsverhalten (Disclosure) befragt. Erfahrungen sexualisierter Gewalt ohne Körperkontakt umfassen zum Beispiel sexuelle Kommentare online sowie offline, Exhibitionismus oder die Verbreitung von Gerüchten mit sexuellem Inhalt. Erfahrungen sexualisierter Gewalt mit Körperkontakt beinhalten Situationen wie beispielsweise Körperberührungen in sexueller Form gegen den eigenen Willen, Zwang zum Sex oder Zwang zu Nacktaufnahmen (auch pornografische Aufnahmen). Disclosureverhalten wurde unter anderem durch den Zeitpunkt der Offenlegung, einbezogene Vertrauenspersonen und der Bewertung der Offenlegung operationalisiert. Die Daten wurden mittels CAPI-Methode (Computer-assisted Personal Interviewing) mit mündlichen und schriftlichen Interviewteilen von geschulten Interviewenden erhoben.
Ergebnisse: Die deskriptive Auswertung zeigt, dass fast zwei Drittel (64%) der Befragten schon einmal sexualisierte Gewalt ohne Körperkontakt erfahren haben. Mädchen und Frauen sind insbesondere von sexuellen Belästigungen online, das Erhalten oder Verlangen sexueller Bilder und exhibitionistische Erfahrungen häufiger betroffen als männliche Befragte. Des Weiteren geben fast 30% an, Erfahrungen sexualisierter Gewalt mit Körperkontakt gemacht zu haben. Mädchen und Frauen (40%) sind dabei mehr als doppelt so häufig betroffen wie Jungen und Männer (18%). 69 Prozent der Betroffenen sexualisierter Gewalt mit Körperkontakt haben sich jemandem im Nachgang anvertraut. Nur 16% der Mädchen und Frauen haben sich niemandem anvertraut, wohingegen es 44% der Jungen und Männern sind. Wichtige Vertrauenspersonen sind Personen aus dem Freundeskreis und Gleichaltrige sowie Eltern und die Partnerin oder der Partner. Wenn sich die Betroffenen jemanden anvertraut haben, bewerten dies Mädchen und Frauen (86%) sowie Jungen und Männer (84%) fast ausschließlich als hilfreich.
Diskussion: Die Studienergebnisse unterstreichen, dass sexualisierte Gewalt ein Phänomen ist, das überwiegend Mädchen und Frauen betrifft. Des Weiteren wird die Bedeutung einer intersektionalen sexuellen Bildung erkennbar, die Fachkräfte, Eltern und Jugendliche als Betroffene aber auch als wichtige Vertrauenspersonen im Umgang mit Erfahrungen sexualisierter Gewalt unterstützt.
Interessenkonflikte: Keine



