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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Demokratie(gefährdungen) und gesundheitliche Chancengerechtigkeit

Jens Hoebel - Universität Bielefeld, Fak. für Gesundheitswissenschaften, AG 3 – Epidemiologie & International Public Health, Bielefeld, Deutschland
Irene Moor - Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Medizinische Soziologie, Med. Fakultät, Deutschland
Verina Wild - Universität Augsburg, Institut für Ethik und Geschichte der Gesundheit in der Gesellschaft, Augsburg, Deutschland
Oliver Razum - Universität Bielefeld, Fak. für Gesundheitswissenschaften, AG 3 – Epidemiologie & International Public Health, Bielefeld, Deutschland
Benjamin Wachtler - Robert Koch Institut, FG 28: Soziale Determinanten der Gesundheit, Deutschland
Katharina Rathmann - Hochschule Fulda, Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Fulda, Deutschland
Florian Herbolsheimer - Deutsches Krebsforschungszentrum, Deutschland

Text

Namen der Moderierenden sowie der Vortragende:

Moderation: Dr. Jens Hoebel & Dr. Irene Moor

Vorträge:

Prof. Dr. Verina Wild: Gesundheitsgerechtigkeit am Scheideweg? Sprache, Macht und das beunruhigende politische Klima

Prof. Dr. Oliver Razum: Institutionelle Vernachlässigung, Gesundheit und demokratische Erneuerung

Dr. Benjamin Wachtler (Vortragender), Dr. Niels Michalski, Dr. Markus Grabka, Dr. Jens Hoebel: Privates Vermögen in Deutschland – Eine wenig beachtete soziale Determinante der Gesundheit und des gesellschaftlichen Zusammenhalts

Hintergrund: International vergleichende Studien weisen darauf hin, dass ein höheres Demokratieniveau eines Landes mit einer insgesamt besseren Bevölkerungsgesundheit, beispielsweise einer höheren mittleren Lebenserwartung, sowie mit geringeren gesundheitlichen Ungleichheiten einhergeht. Darüber hinaus verfügen demokratischere Länder im Durchschnitt über günstigere sozioökonomische Rahmenbedingungen für eine positive Gesundheitsentwicklung, darunter ein höheres Pro-Kopf-Einkommen und ein höheres Bildungsniveau.

Zielsetzung/Fragestellung: Fragen zum Zusammenhang zwischen Demokratie und gesundheitlicher Chancengerechtigkeit gewinnen vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher und geopolitischer Entwicklungen zunehmend an Bedeutung. Autoritäre Tendenzen, Diskriminierung, hybride Bedrohungen und wachsende soziale Ungleichheiten gefährden nicht nur den gesellschaftlichen Zusammenhalt, das Vertrauen in demokratische Institutionen sowie soziale und politische Teilhabe. Sie können zugleich den Zugang zu gesundheitsrelevanten Ressourcen, einschließlich einer angemessenen Gesundheitsversorgung, beeinflussen.

Demokratie kann dabei sowohl als institutioneller Rahmen – etwa in Form der Ausgestaltung des Wohlfahrtsstaates und des Gesundheitssystems – als auch als gelebte Praxis politischer Teilhabe, Repräsentation und des Vertrauens in Institutionen verstanden werden. Das Zusammenspiel von Demokratie und gesundheitlicher Chancengerechtigkeit ist daher aus Public-Health-, medizinsoziologischer und sozialepidemiologischer Perspektive von hoher Bedeutung, wird in der Gesundheitsforschung und Epidemiologie bislang jedoch nur punktuell oder überwiegend indirekt betrachtet.

Diskussionspunkt: Im Mittelpunkt der Diskussion stehen die wechselseitigen Beziehungen zwischen Demokratie beziehungsweise Demokratiegefährdungen und gesundheitlicher Chancengerechtigkeit. Gemeinsam soll erörtert werden, über welche institutionellen, sozialen und gesellschaftlichen Mechanismen demokratische Entwicklungen Gesundheit und gesundheitliche Ungleichheiten beeinflussen und wie diese Zusammenhänge in der Gesundheitsforschung künftig stärker theoretisch, methodisch und empirisch berücksichtigt werden können.

Inhalt: In drei Inputbeiträgen beleuchtet die Session die Bedeutung von Sprache, Macht und politischem Klima, die Folgen der Vernachlässigung sowie die Potenziale einer Erneuerung demokratischer Institutionen und den Einfluss ökonomischer Ungleichheit – insbesondere der Vermögensungleichheit – auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die gesundheitliche Chancengerechtigkeit. Darauf aufbauend werden Implikationen für die Gesundheitsforschung, die Medizinische Soziologie, Public Health und die (Sozial-)Epidemiologie diskutiert.

Take Home Message für die Praxis: Demokratie ist eine wesentliche Grundlage für gesellschaftliche Teilhabe, gesundheitliche Chancengerechtigkeit und die Gesundheit der Bevölkerung. Der Schutz und die Stärkung demokratischer Institutionen und Praktiken sind daher nicht nur gesellschafts- und sozialpolitische Aufgaben, sondern zugleich wichtige Voraussetzungen für Public Health und eine gerechte gesundheitliche Versorgung.

Interessenkonflikte: Keine