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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Daten statt Dokumente: Etablierung einer digitalen Infrastruktur für onkologische S3-Leitlinien

Thomas Langer - Deutsche Krebsgesellschaft, Leitlinien, Deutschland

Text

Hintergrund: Die Entwicklung evidenzbasierter medizinischer Leitlinien ist nicht nur methodisch anspruchsvoll, sie ist auch operativ sehr herausfordernd. Der notwendige Austausch von Dokumenten und Dateien führt in diesem Setting oft zu Mediendiskontinuitäten, redundanter Dateneingabe oder Versionskonflikten.

Zielsetzung/Fragestellung: Eine digitale Plattform für die kontinuierliche redaktionellen Verwaltung der Leitlinieninhalte zu etablieren sowie interoperable Anwendungen zu entwickeln, die Prozesse während der Leitlinienerstellung vereinfachen und und die Dissemination der Leitlinieninhalte verbessern.

Material & Methoden: Wir haben seit 2015 eine webbasierte Leitlinien-Redaktionsplattform entwickelt, die neben den Empfehlungen und begründenden Texten u.a. auch PICO-Fragen, Evidenztabellen und -profile, Qualitätsbewertungen, Empfehlungsstärken, Quälitätsindikatoren in einem strukturierten Datenmodell verwaltet. Empfehlungen werden maschinenlesbar und nicht als statische Textobjekte gespeichert. Über eine Schnittstelle (API) ist die Plattform mit ebenfalls selbst entwickelten Anwendungen verbunden. Hierzu gehört eine Plattform für Abstimmungs- und Konsultationsprozesse sowie eine Plattform zum Export unterschiedlicher Leitlinienformate.

Ergebnisse: Das Redaktionssystem reduziert den Aufwand für manuelle Formatierung der Leitliniendokumente dramatisch und unterstützt zudem die Harmonisierung zwischen den fast 40 S3-Leitlinien des Leitlinienprogramms Onkologie. Die strukturierte Verknüpfung von Empfehlungen mit dazugehörigen Parametern und Informationen zur Evidenz verbessert die Transparenz der methodischer Entscheidungen. Auswertungen zeigen zudem beschleunigte redaktionelle Arbeitsabläufe, weniger systemübergreifende Inkonsistenzen und eine deutlich gesteigerte Effizienz bei den Konsensprozessen durch die Etablierung der Online-Abstimmungsprozesse.

Diskussion: Ein modulares und interoperables digitales Ökosystem kann Effizienz, Transparenz und Skalierbarkeit bei der Leitlinienentwicklung erheblich verbessern. Indem Empfehlungen von narrativen Artefakten in strukturierte, wiederverwendbare Datenobjekte umgewandelt werden, legen solche Infrastrukturen die Grundlage für zukünftige Automatisierung.

Take Home Message für die Praxis: Die Digitalisierung von Leitlinieninhalten ist herausforderd aber machbar. Die Umsetzung und Etablierung kann vor allem dann gelingen, wenn nicht nur Leitliniennutzende (z.B. durch bessere Formate) davon profitieren, sondern auch die Arbeit von Leitlinienautor:innen unterstützt und vereinfacht wird.

Interessenkonflikte: Keine