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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Erwartungen von Patient:innen mit psychischen Erkrankungen und Nutzungsvorstellungen von Hausärzt:innen hinsichtlich dem Einsatz Digitaler Gesundheitsanwendungen

Sandy Scheibe - Medizinische Klinik und Poliklinik III, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der Technischen Universität Dresden, Bereich Allgemeinmedizin, Dresden, Deutschland
Sandra Salm - Goethe-Universität Frankfurt, Frankfurt am Main, Institut für Allgemeinmedizin, Frankfurt am Main, Deutschland; Medizinische Fakultät und Uniklinik Köln, Universität zu Köln, Medizinische Psychologie | Neuropsychologie & Gender Studies und Center für Neuropsychologische Diagnostik und Intervention (CeNDI), Köln, Deutschland
Pascal Kemmerer - Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik (IMBEI), Mainz, Deutschland
Esther Stalujanis - Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik (IMBEI), Mainz, Deutschland; Universitätsspital Zürich, Klinik für Konsiliarpsychiatrie und Psychosomatik, Zürich, Schweiz; Universität Trier, Institut für Psychologie, Klinische Psychologie und Psychotherapie – Methoden und Ansätze, Trier, Deutschland
Karola Mergenthal - Goethe-Universität Frankfurt, Frankfurt am Main, Institut für Allgemeinmedizin, Frankfurt am Main, Deutschland
Deborah Engesser - Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik (IMBEI), Mainz, Deutschland
Susanne Singer - Universitätsklinikum Rostock, Comprehensive Cancer Center, Rostock, Deutschland
Lena Dotzauer - Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik (IMBEI), Mainz, Deutschland
Karen Voigt - Medizinische Klinik und Poliklinik III, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der Technischen Universität Dresden, Bereich Allgemeinmedizin, Dresden, Deutschland; Medizinische Universität Lausitz, Abteilung für Primärversorgung – Allgemeinmedizin, Deutschland

Text

Hintergrund: Seit 2020 können Hausärzt:innen in Deutschland Digitale Gesundheitsanwendungen, unter anderem für psychische Erkrankungen (PsyDiGA), zulasten der gesetzlichen Krankenversicherungen verordnen. Für die Implementierung von PsyDiGA sind neben Erkenntnissen zu deren Wirksamkeit, auch Erwartungen und Vorstellungen von Verordnenden und Nutzenden (Ärzt:innen, Patient:innen) relevant.

Zielsetzung/Fragestellung: Welche Erwartungen und Vorstellungen haben Patient:innen mit psychischen Erkrankungen und Hausärzt:innen darüber, für wen und in welchem Behandlungskontext PsyDiGA (un)geeignet sind?

Material & Methoden: Die Datenerhebung erfolgte qualitativ anhand leitfadengestützter Telefoninterviews (Januar-Dezember 2024). Hausärzt:innen wurden über das Forschungspraxennetz SaxoForN eingeschlossen. Der Patienteneinschluss erfolgte über niedergelassene Psychotherapeut:innen und Hausärzt:innen. Das Patienteninterview wurde vor einer potentiellen PsyDiGA-Nutzung durchgeführt. Die Auswertung erfolgte anhand qualitativer Inhaltsanalyse angelehnt an Mayring.

Ergebnisse: Insgesamt nahmen 12 Hausärzt:innen und 18 Patient:innen teil. Hausärzt:innen sahen vor allem jüngere bis mittelalte Personen mit hoher digitaler Affinität und Motivation zur Nutzung sowie mit leichter bis mittelschwerer Symptomatik als geeignet an. Sie gaben an, PsyDiGA insbesondere während der Wartezeiten auf Psychotherapieplätze und zur Unterstützung der ärztlichen Behandlung einzusetzen. Patient:innen sahen PsyDiGA vor allem als ergänzendes Instrument zu ambulanter Psychotherapie sowie zur Überbrückung von Wartezeit auf Psychotherapie und zur Unterstützung in akuten Krisensituationen. Als geeignete Zielgruppe betrachteten sie vor allem Personen ohne vorherige Therapieerfahrung und mit leichteren Symptomatiken.

Diskussion: PsyDiGA werden sowohl von Hausärzt:innen und Patient:innen primär zur Überbrückung und Unterstützung wahrgenommen, nicht jedoch als Ersatzbehandlung. Einigkeit bestand darüber, dass insbesondere Personen mit leichter bis mittelschwerer Symptomatik profitieren könnten. Gleichzeitig könnte durch die Vorstellungen von Hausärzt:innen hinsichtlich geeigneter Patientengruppen für eine PsyDiGA-Nutzung das Risiko systematischer Exklusion – etwa älterer oder weniger digital affiner Personen – erhöht sein.

Take Home Message für die Praxis: PsyDiGA werden sowohl von Hausärzt:innen als auch Patient:innen als Option zur Überbrückung während der Wartezeiten auf Psychotherapie und als Ergänzung der Behandlung gesehen, nicht aber als Stand-Alone-Therapie.

Interessenkonflikte: Sandy Scheibe arbeitete von 2021–2023 in einem Unternehmen („WIG2-Institut“), das Hersteller Digitaler Gesundheitsanwendungen (DHA) im Entwicklungs- und Zulassungsprozess ihrer Anwendungen unterstützt.Susanne Singer erhält außerhalb dieser Studie Honorare für ihre Tätigkeit als Gutachterin für den Lilly Quality of Life Award.Sandra Salm erhielt ein Honorar vom Österreichischen Gesundheitsfonds für die Durchführung eines Vortrags.Alle übrigen Autor:innen erklären, dass keine Interessenkonflikte bestehen.