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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Braucht es noch den Arzt vor Ort? Die Reform des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes in Niedersachsen – erste Erfahrungen aus einem gestuften multiprofessionellen System

Claudia Höfer - Johanniter-Unfall-Hilfe e.V., Landesverband Niedersachsen/Bremen, Deutschland
Iris Demmer - Universitätsmedizin Göttingen, Medizinisches Versorgungszentrum, Göttingen, Deutschland
Anja Hesse - Medizinische Hochschule Hannover, Institut für Allgemeinmedizin, Hannover, Deutschland

Text

Hintergrund: Der klassische Ärztliche Bereitschaftsdienst (ÄBD) basierte lange auf dem Prinzip „der Arzt fährt immer“. Mit der Reform des ÄBD in Niedersachsen wird dieses Konzept grundsätzlich in Frage gestellt und durch ein gestuftes, operativ gesteuertes Versorgungssystem ersetzt. Im Zentrum steht nicht mehr die flächendeckende ärztliche Präsenz, sondern neben der telemedizinischen Versorgung auch der indikationsgerechte Einsatz von nicht-ärztlichem Personal mit bedarfsweiser Unterstützung durch operative Telemediziner.

Zielsetzung/Fragestellung: Evaluation der Versorgungsrealität nach über 1 Jahr Reform des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes:

Wieviel Arzt vor Ort braucht der Äzrtliche Bereitschaftsdienst?

Wie gelingt der sichere Einsatz von nicht-ärztlichem Personal unter Zuhilfenahme der operativen Telemedizin?

Welche Herausforderungen ergeben sich bei der praktischen Umsetzung aus Sicht der operativen Leitung?

Material & Methoden: Retrospektive Auswertung von Routinedaten des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes in Niedersachsen sowie strukturierte Analyse operativer Abläufe im medizinischen Fahrdienst. Ergänzend qualitative Bewertung von Prozessabläufen, Einsatzsteuerung und Schnittstellenmanagement aus der ärztlichen Leitungsperspektive

Ergebnisse: Die telemedizinische Beratung und der Einsatz von Gesundheitsfachkräften stellen im neuen Ärztlichen Bereitschaftsdienst zentrale Elemente und einen relevanten Anteil in der Patientenversorgung dar. Ärztliche Einsätze werden zunehmend auf komplexe und unklare Konstellationen fokussiert. Unnötige Hausbesuche können unter Beibehaltung der Versorgungsqualität vermieden werden.

Zur Sicherstellung der Versorgungsqualität wurden verbindliche Qualitätsstandards etabliert, einschließlich definierter Qualifikations- und Schulungskonzepte, einer standardisierten technischen Ausstattung sowie strukturierter Entscheidungs- und Behandlungsalgorithmen.

Herausforderungen zeigen sich in der Schnittstellenkoordination sowie der systemischen Akzeptanz des delegationsbasierten Konzeptes.

Diskussion: Welche Möglichkeiten bieten die Telemedizin und der gesteuerte Einsatz von Gesundheitsfachkräften in der Zukunft?

Zentrale Herausforderungen bestehen in der Schnittstellenkommunikation sowie in der gesellschaftlichen und professionellen Akzeptanz eines veränderten Rollenverständnisses, nicht zuletzt im Hinblick auf die rechtliche und abrechnungstechnische Einordnung nicht-ärztlicher Leistungen.

Take Home Message für die Praxis: Der Bereitschaftsdienst der Zukunft braucht nicht mehr überall den Arzt, sondern die richtige Entscheidung zur richtigen Zeit.

Interessenkonflikte: Keine