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Gesundheit gestalten
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen
Gesundheit gestalten
Akupunktur bei Gonarthrose – Versorgungssituation und Einfluss auf die Inanspruchnahme operativer Versorgung und Schmerzmedikation sowie körperliche Aktivität
Text
Hintergrund: Die leitliniengerechte Standardtherapie der Gonarthrose erfolgt zunächst konservativ durch nicht-operative Maßnahmen wie gezieltes körperliches Training und Gewichtsmanagement. Bei Progredienz kann im weiteren Verlauf ein operativer Kniegelenkersatz (Knie-TEP) erforderlich werden. Als ergänzende nicht-medikamentöse Therapieoption kann Akupunktur zur Schmerzlinderung eingesetzt werden. Die Kosten für bis zu zwei Behandlungsserien mit jeweils 10 bis 15 Sitzungen im Abstand von einem Jahr werden hierfür seit 2007 von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen. Über die Versorgungssituation von Patient:innen mit Gonarthrose im Zusammenhang mit Akupunktur ist bislang wenig bekannt.
Zielsetzung/Fragestellung: Die Analyse prüft die aktuelle Versorgungssituation von Menschen mit Gonarthrose im Hinblick auf die Inanspruchnahme von Akupunktur sowie mögliche Auswirkungen auf den Einsatz von Knie-TEPs und Schmerzmedikamenten sowie auf körperliche Aktivität.
Material & Methoden: Datengrundlage der retrospektiven Analyse ist ein Auszug (2009–2022) aus der fortlaufenden NAKO-Gesundheitsstudie, welche Primärdaten mit Sekundärdaten verknüpft. Die Auswertungen erfolgten mittels deskriptiver Statistik sowie logistischer Regressionen.
Ergebnisse: Insgesamt wurden N=6.132 Patient:innen mit Gonarthrose (ICD-10 M17.*) identifiziert, von denen n=1.777 eine Akupunkturbehandlung erhielten. Die Mehrheit (69%) nahm eine Behandlungsserie in Anspruch, wobei 54% die empfohlene Anzahl an Sitzungen vollständig absolvierten, während 13% die Therapie vorzeitig (≤ 5 Sitzungen) beendeten. Die Akupunktur erfolgte überwiegend durch Orthopäd:innen (56%) und Hausärzt:innen (25,4%).
Im Verlauf zeigt sich ein Rückgang der Inanspruchnahme zwischen 2009 und 2011, gefolgt von einer Stabilisierung bis zur COVID-19-Pandemie und einem erneuten deutlichen Rückgang während dieser. Prädiktoren für die Inanspruchnahme waren unter anderem weibliches Geschlecht, höheres Alter (≥ 60 Jahre), lediger Familienstand sowie höheres Einkommen.
Weitere Analysen zum Einfluss der Akupunktur auf die Häufigkeit von und die Zeit bis zu Knie-TEPs im Beobachtungszeitraum, Schmerzmedikation und körperliche Aktivität sind derzeit in Auswertung.
Diskussion: Die Ergebnisse zeigen soziodemografische Ungleichheiten bei der Inanspruchnahme von Akupunktur bei Gonarthrose auf, die durch Zugangsbarrieren entstehen könnten.
Take Home Message für die Praxis: Bis zu ein Drittel der Patient:innen mit Gonarthrose nutzt Akupunktur; die hausärztliche Versorgung stellt dabei ein zentrales Setting der Inanspruchnahme dar.
Interessenkonflikte: Keine



