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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Kinderschutz gemeinsam gestalten: Kenntnisse, Handlungskompetenzen und Informationsstrategien der deutschen Bevölkerung

Anna Eberhardt - Universitätsklinikum Ulm, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, Ulm, Deutschland; Deutsches Zentrum für psychische Gesundheit (DZPG), Standort Ulm, Deutschland
Elmar Brähler - Universitätsmedizin der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Mainz, Deutschland; Universitätsklinikum Leipzig, Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie, Leipzig, Deutschland
Jörg Michael Fegert - Universitätsklinikum Ulm, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, Ulm, Deutschland; Deutsches Zentrum für psychische Gesundheit (DZPG), Standort Ulm, Deutschland
Ulrike Hoffmann - Universitätsklinikum Ulm, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, Ulm, Deutschland; Deutsches Zentrum für psychische Gesundheit (DZPG), Standort Ulm, Deutschland

Text

Hintergrund: Kindesmisshandlung hat hohe Prävalenzen und erhöht das Risiko für kurz- und langfristige soziale und gesundheitliche Folgen. Daher ist es eine der bedeutendsten Herausforderungen der öffentlichen Gesundheit. Die Weltgesundheitsorganisation geht allerdings davon aus, dass ca. 90% der Fälle in Institutionen übersehen werden. Die Gesundheitskompetenz der breiten Öffentlichkeit in diesem Bereich ist daher ein wesentlicher Bestandteil eines wirksamen Kinderschutzes.

Zielsetzung/Fragestellung: Erhebung von Wissen und Handlungskompetenzen der Öffentlichkeit in Bezug auf Kinderschutz in Deutschland und Untersuchung, welche Informationsquellen genutzt werden, um sich über kinderschutzspezifische Themen zu informieren.

Material & Methoden: Von 03/24 bis 06/24 wurde eine repräsentative Stichprobe von 2.504 Personen in Deutschland befragt. Es wurden soziodemografische Merkmale, Kontakthäufigkeit zu Kindern, genutzte Informationsquellen sowie selbst eingeschätztes Wissen (Spannweite (SW) 6–24) und Handlungskompetenz (SW 6–18) erfasst. Die Daten wurden mit deduktiv und induktiv statistischen Methoden analysiert.

Ergebnisse: Insgesamt ist das Wissen (Mittelwert (MW) 11,95) und Kompetenzniveau (MW 10,94) der deutschen Öffentlichkeit zu Kinderschutz moderat. Am höchsten wurde das Wissen zu körperlicher Misshandlung eingeschätzt. Die größten Kompetenzen zeigten sich bei der Kenntnis von Anlaufstellen und Unterstützungsdiensten. Ein höheres Einkommen, regelmäßiger Kontakt zu Kindern sowie die Nutzung formeller Informationsquellen stehen in einem positiven Zusammenhang mit Wissen und Kompetenzen. Informelle Informationsquellen spielen eine wichtige Rolle bei Personen ohne regelmäßigen Kontakt zu Kindern.

Diskussion: Die Befähigung der Öffentlichkeit durch Wissen und Handlungskompetenzen ist entscheidend für den Schutz vor und die Früherkennung von Kindesmisshandlung. Der Zusammenhang zwischen strukturierten Bildungsangeboten und höheren Kompetenzen betont die Bedeutung formaler Schulungen. Die zentrale Rolle informeller Informationsquellen bei Personen ohne regelmäßigen Kontakt zu Kindern zeigt den Bedarf an niedrigschwelligen, evidenzbasierten Angeboten.

Take Home Message für die Praxis:

• Bereitstellung leicht zugänglicher, evidenzbasierter Informationen und Schulungen, die verschiedene Zielgruppen erreichen

• Qualität und Wirksamkeit (in)formeller Informationsangebote sichern und gezielt nutzen, um Personen ohne regelmäßigen Kontakt zu Kindern zu erreichen

Interessenkonflikte: Keine