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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Untersuchung berufsbedingter Risikofaktoren für Beschwerden und Erkrankungen der oberen Extremitäten bei Physiotherapeut:innen und Ergotherapeut:innen mit besonderem Fokus auf die Rhizarthrose

Maria Girbig - TU Dresden, Medizinische Fakultät, Institut und Poliklinik für Arbeits- und Sozialmedizin, Dresden, Deutschland
Ulrich Bolm-Audorff - TU Dresden, Medizinische Fakultät, Institut und Poliklinik für Arbeits- und Sozialmedizin, Dresden, Deutschland
Susanne Titze - TU Dresden, Medizinische Fakultät, Institut und Poliklinik für Arbeits- und Sozialmedizin, Dresden, Deutschland
Sophia Freya Ulrike Blum - Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Institut und Poliklinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Deutschland
Ralf-Thorsten Hoffmann - Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Institut und Poliklinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Deutschland
Albert Nienhaus - Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW), Deutschland
Andreas Seidler - TU Dresden, Medizinische Fakultät, Institut und Poliklinik für Arbeits- und Sozialmedizin, Dresden, Deutschland

Text

Hintergrund: Muskuloskelettale Erkrankungen (MSE) betreffen weltweit ca. 1,71 Milliarden Menschen und zählen zu den häufigsten Ursachen von Arbeitsunfällen und -unfähigkeit in Industrie- und Entwicklungsländern [1]. Für Physiotherapeut:innen (PT) und Ergotherapeut:innen (ET) bestehen Hinweise auf ein erhöhtes berufsbedingtes Risiko für Beschwerden der oberen Extremitäten, insbesondere der Hände und Daumen [2], [3], [4], [5]. Bisherige Befunde basieren überwiegend auf Querschnittstudien und selbstberichteten Daten, was die kausale Interpretation einschränkt.

Zielsetzung/Fragestellung: Ziel ist die Abschätzung des relativen Risikos für MSE der oberen Extremitäten im ersten Follow-up bei PTs und ETs, ergänzt durch eine Objektivierung von Handbeschwerden mittels Magnetresonanztomographie (MRT) sowie die erstmalige Zuordnung berufsbedingter MSE-Risiken zu spezifischen Tätigkeiten.

Material & Methoden: Es wird eine prospektive Kohortenstudie mit fragebogenbasierter Follow-up-Erhebung (PTs: ca. 13 Jahre; ETs: ca. 11 Jahre) durchgeführt, ergänzt durch MRT-Untersuchungen bei selbstberichteten Handbeschwerden. Eingeschlossen werden Teilnehmende aus Basiserhebungen4;5 (PTs: n=170; ETs: n=157; Vergleichsgruppe: n=230 erwartet). Eine a-priori-Powerkalkulation ergab die Detektierbarkeit eines relativen Risikos von 2,1 (Power: 80%).

Ergebnisse: Erstmals werden umfassende Daten zur Inzidenz arbeitsbedingter MSE der oberen Extremitäten bei PTs und ETs erhoben. Die Kombination aus Expositionserfassung und MRT-gestützter Korrelation mit Graduierung der Rhizarthrose ermöglicht belastbare Schlussfolgerungen zu Risikofaktoren. Derzeit erfolgt die Rekrutierung. Erste MRT-Untersuchungen wurden bereits durchgeführt. Entsprechende Teilergebnisse werden auf der Jahrestagung der DGSMP 2026 präsentiert.

Diskussion: Die Studie bietet einen soliden und innovativen Ansatz zur Untersuchung arbeitsbedingter MSE – insbesondere der Rhizarthrose – bei Angehörigen von Gesundheitsberufen. Langzeit-Follow-up, objektive Outcome-Erfassung und eine klar definierte Vergleichsgruppe befähigen die Studie, einen bedeutsamen Beitrag zur Arbeitsepidemiologie zu leisten.

Take Home Message für die Praxis: PTs und ETs sind berufsbedingt erheblichen Belastungen der Hände und Daumen ausgesetzt. Diese Studie liefert erstmals tätigkeitsspezifische Daten zu MSE-Risiken als Grundlage für praxisnahe Präventionsstrategien.

Interessenkonflikte: Keine


References

[1] GBD 2019 Diseases and Injuries Collaborators. Global burden of 369 diseases and injuries in 204 countries and territories, 1990-2019: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2019. Lancet. 2020 Oct 17;396(10258):1204-1222. DOI: 10.1016/S0140-6736(20)30925-9
[2] Campo MA, Weiser S, Koenig KL, ordin M. Work-Related musculoskeletal disorders in physical therapy: A prospective cohort study with 1-year followup. Phys Ther, 2008; 88:608-619. DOI: 10.2522/ptj.20070127
[3] Nordander C, Hansson GÅ, Ohlsson K, Arvidsson I, Balogh I, Strömberg U, et al. Exposure-response relationships for work-related neck and shoulder musculoskeletal disorders--Analyses of pooled uniform data sets. Appl Ergon. 2016 Jul;55:70-84. DOI: 10.1016/j.apergo.2016.01.010
[4] Girbig M. Arbeitsbedingte Belastungen und Erkrankungen von Physiotherapeutinnen und Physio-therapeuten. Edition Gesundheit und Arbeit, Schriftenreihe des CVcare, Band 16. 2021.
[5] Zenker R, Girbig M, Hegewald J, Gilewitsch I, Wagner M, Nienhaus A, Seidler A. Musculoskeletal Complaints in Occupational Therapists Compared to the General Population: A Cross-Sectional Study in Germany. Int J Environ Res Public Health. 2020 Jul 8;17(14):4916. DOI: 10.3390/ijerph17144916