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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Einbindung von Gesundheitsfachkräften in die Erfassung der familiären Krebsanamnese durch ein digitales Risikoscreening: eine longitudinale qualitative Studie

Katharina Klein - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Zentrum Familiärer Brust- und Eierstockkrebs, Berlin, Deutschland; Deutsche Krebsgesellschaft e.V., Deutschland
Paula Thomas - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Berlin, Deutschland
Sandra Schmischke - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Berlin, Deutschland
Steffi Stegen - BRCA-Netzwerk e.V., Deutschland
Markus A. Feufel - TU Berlin, Fachgebiet Arbeitswissenschaft, Berlin, Deutschland
Dorothee Speiser - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Zentrum Familiärer Brust- und Eierstockkrebs, Berlin, Deutschland
Christoph Kowalski - Deutsche Krebsgesellschaft e.V., Deutschland
Friederike Kendel - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Berlin, Deutschland

Text

Hintergrund: Gesundheitsfachkräfte (GFK), wie Pflegefachpersonen oder Medizinische Fachangestellte, sind wichtige Ansprechpartner für Patient:innen und spielen in der onkologischen Versorgung und zunehmend auch in der Prävention eine zentrale Rolle. Außerdem leisten sie einen zunehmend wichtigen Beitrag bei der Anwendung von digitalen Technologien.

Zielsetzung/Fragestellung: Ziel der Studie war es, die Rolle von GFK bei der Erhebung der Familienanamnese in der gynäkologischen Praxis zu untersuchen und zu analysieren, wie sich diese durch die Einführung eines digitalen Screenings verändert. Zudem wurde untersucht, inwieweit sich GFK eine stärkere Einbindung wünschen und welcher Schulungsbedarf besteht.

Material & Methoden: Im Rahmen des Projekts dVP_FAM wurde ein digitales Risikoscreening zur Identifikation von Personen mit familiärem Krebsrisiko entwickelt und evaluiert. In diesem Kontext wurden 26 (14 Interventionsgruppe (IG), 12 Kontrollgruppe (KG)) longitudinale, semistrukturierte Interviews mit GFK aus gynäkologischen Praxen durchgeführt. Die Interviews fanden zu zwei Zeitpunkten statt (t0: 1-3 Monate nach Studienstart; t1: 5-9 Monate). In der IG sprachen GFK Patient:innen auf das digitale Risikoscreening an und klärten darüber auf. Die Auswertung erfolgte in Anlehnung an die zusammenfassende Inhaltsanalyse.

Ergebnisse: Die Teilnehmenden waren weiblich und im Schnitt 41 Jahre alt. Zu t0 zeigte sich in IG und KG eine geringe Einbindung in die Erhebung familiärer Krebsrisiken. Die Aufgaben waren überwiegend organisatorisch. Die Mehrheit äußerte den Wunsch nach stärkerer Einbindung. Hemmende Faktoren waren insbesondere Zeitmangel, unklare Rollen und Unsicherheiten. In der IG führte das digitale Risikoscreening zu t1 dazu, dass sich GFK stärker in die Familienanamnese eingebunden fühlten, häufiger in direkten Kontakt mit Patient:innen traten und ihre Rolle als aktiver und stärker an der Versorgung beteiligt wahrnahmen. Gleichzeitig wurde die zusätzliche Einbindung als zeitintensiv beschrieben. Gruppenübergreifend zeigte sich ein klarer Bedarf an Schulungen, insbesondere zu Kommunikation und sensiblen Themen.

Diskussion: Die Ergebnisse zeigen, dass GFK initial kaum in die Erhebung familiärer Krebsrisiken eingebunden waren und strukturelle Barrieren bestanden, während digitale Risikoscreenings ihre Rolle stärken, jedoch zusätzlichen Zeitaufwand und Schulungsbedarf mit sich bringen.

Take Home Message für die Praxis: Eine stärkere Einbindung von GFK in die Prävention erfordert klare Rollen, Schulungen und zeitliche Ressourcen – digitale Tools können als wichtiger Enabler wirken.

Interessenkonflikte: Es bestehen keine Interessenskonflikte.