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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Peer-Involvement als Methode zur sozialraumorientierten Primärprävention für pflegende An- und Zugehörige – Projekt PAsst II

Christina Heldt - Technische Hochschule Rosenheim, Fakultät für Angewandte Gesundheits- und Sozialwissenschaften, Rosenheim, Deutschland
Verena Steinmaier - Christliches Sozialwerk Degerndorf-Brannenburg-Flintsbach e.V., Flintsbach, Deutschland
Gaby Dorn - Christliches Sozialwerk Degerndorf-Brannenburg-Flintsbach e.V., Flintsbach, Deutschland
Stefanie Skudlik - Technische Hochschule Rosenheim, Fakultät für Angewandte Gesundheits- und Sozialwissenschaften, Rosenheim, Deutschland
Katharina Lüftl - Technische Hochschule Rosenheim, Fakultät für Angewandte Gesundheits- und Sozialwissenschaften, Rosenheim, Deutschland

Text

Hintergrund: Pflegende An- und Zugehörige nehmen Unterstützungs- und Entlastungsangebote häufig erst bei fortgeschrittener Überlastung in Anspruch. Für die Erschließung präventiver Potenziale sind niedrigschwellige, lebensweltnahe Zugänge erforderlich. Peer-Involvement wird hierfür als Ansatz diskutiert, ist jedoch bislang begrenzt theoretisch fundiert und methodisch ausdifferenziert.

Zielsetzung/Fragestellung: Ziel ist die Entwicklung und Erprobung von Peer-Involvement als methodisch strukturierter Ansatz zur frühzeitigen Sensibilisierung pflegender An- und Zugehöriger für präventive Unterstützungsbedarfe.

Material & Methoden: Die Entwicklung basiert auf qualitativen Vorarbeiten (PAsst I), in denen mittels Grounded Theory Methodologie Selbstdefinition und rollenbedingte Verhaltensmuster von pflegenden An- und Zugehörigen identifiziert wurden. Aufbauend darauf wurde partizipativ ein Peer-Involvement-Konzept entwickelt. Peers (n=30), aktuell oder ehemals pflegende An- und Zugehörige, werden in einem vierstündigen Trainingsformat geschult. Inhalte sind u. a. Reflexion der eigenen Sorgehistorie, die Peerrolle und Ansätze einer nichtdirektiven Gesprächsführung. Die Peers spüren in ihrer Leben- und Alltagswelt pflegende An- und Zugehörige auf, die sich in der Frühphase der Pflegesituation befinden, um im Rahmen informeller Gespräche Prozesse der Bewusstseinsschärfung und eine Öffnung für die Inanspruchnahme von Unterstützungs- und Entlastungsangeboten anzustoßen. In regelmäßigen Peer-Gesprächsrunden werden ihre Erfahrungen reflektiert. Die Evaluation der Peergespräche erfolgt formativ anhand von Beratungsprotokollen und Gruppendiskussionen.

Ergebnisse: Erste Ergebnisse zeigen, dass Peer-Involvement als Zugang für die Prävention von pflegenden An- und Zugehörigen gut angenommen wird. Aus den Schulungen werden insbesondere die Reflexion eigener, früherer Verhaltensmuster sowie der Erfahrungsaustausch mit anderen Peers als positiv bewertet. Das Transtheoretische Modell unterstützt die Einordnung von Veränderungsbereitschaft und die Gestaltung der Gespräche.

Diskussion: Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Peer-Involvement als methodischer Ansatz zur Gestaltung präventiver Interventionen für pflegende An- und Zugehörige geeignet ist. Gleichzeitig zeigen sich Herausforderungen in der Rekrutierung von Peers und in der Abgrenzung zu professionell beratenden Rollen.

Take Home Message für die Praxis: Peer-Involvement bietet einen strukturierbaren und übertragbaren Ansatz zur frühzeitigen Ansprache pflegender An- und Zugehöriger.

Interessenkonflikte: Es besteht kein Interessenskonflikt.