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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Interprofessionelle Lehre der Evidenzbasierten Medizin: Etablierung und Evaluation eines Seminars für Studierende der Medizin und Zahnmedizin

Gabriel Barth - Goethe-Universität Frankfurt, Arbeitsgruppe EbM Frankfurt, Deutschland
Isabelle Weber - Goethe-Universität Frankfurt, Arbeitsgruppe EbM Frankfurt, Deutschland; Klinikum der Goethe Universität Frankfurt, Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, Deutschland
Susanne Gerhardt-Szép - Zentrum der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (Carolinum), Poliklinik für Zahnerhaltung, Deutschland
Tobias Weberschock - Goethe-Universität Frankfurt, Arbeitsgruppe EbM Frankfurt, Deutschland; Klinikum der Goethe Universität Frankfurt, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Deutschland

Text

Hintergrund: Die Prinzipien der Evidenzbasierten Medizin (EbM) sind zentraler Bestandteil der ärztlichen und zahnärztlichen Tätigkeit und sind fest im Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalog Medizin 2.0 (NKLM) bzw. Zahnmedizin (NKLZ) verankert. An der Universität Frankfurt wurde erstmalig ein scheinpflichtiges, interprofessionelles Seminar EbM für Human- und Zahnmedizinstudierende implementiert. Vergleichbare Lehrformate wurden in der Literatur bisher nicht beschrieben.

Zielsetzung/Fragestellung: Ziel der Studie war es, den Einfluss dieses Lehrformats auf den Wissenszuwachs, die Anwendungskompetenz sowie die Einstellung zur interprofessionellen Zusammenarbeit zu untersuchen.

Material & Methoden: In vier Unterrichtseinheiten wurden die Methoden der EbM durch klinische Fallbeispiele beider Fachbereiche vermittelt und ergänzend im Inverted-Classroom-Format vor- und nachbereitet.

Der Wissenszuwachs wurde mittels prä/post Multiple-Choice-Tests (15 Fragen) erhoben und die Anwendungskompetenz durch eine fallbasierte Seminararbeit (0-100 Punkte) bewertet.

Zur Untersuchung der Einstellung zur interprofessionellen Zusammenarbeit, zur Teamfähigkeit und zum Rollenverständnis wurde der Freiburger Fragebogen für Interprofessionelle Lernevaluation (FILE) auf Basis der Mittelwerte einer fünfstufigen Likert-Skala eingesetzt.

Ergebnisse: In die Studie wurden 104 Studierende (67 Human-, 37 Zahnmedizin) eingeschlossen. Es zeigte sich ein signifikanter Wissenszuwachs (Median 6 [IQR 4–8] vs. 12 [IQR 11–13]; p < 0,001; r = 0,846). Die Seminararbeiten wurden im Median mit 87,5 Punkten (IQR 82,0–92,0) abgeschlossen.

Im FILE stiegen allen Skalen statistisch signifikant. Die Relevanz der Interprofessionalität verbesserte sich im Durchschnitt von 4,18 (SD 0,63) auf 4,35 (SD 0,48) (p = 0,005; r = 0,284), die Teamfähigkeit von 3,7 (SD 0,6) auf 4,03 (SD 0,49) (p < 0,001; r = 0,572) und das Rollenverständnis von 3,57 (SD 0,59) auf 4,02 (SD 0,54) (p < 0,001; r = 0,680).

Zwischen den Studierenden beider Fachbereiche bestanden keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich aller Ergebnisse.

Diskussion: Das interprofessionelle Seminar verbessert die EbM-bezogenen Kompetenzen deutlich und steigert trotz hoher Ausgangswerte die Einstellung zur Interprofessionalität signifikant. Die vergleichbare Wirksamkeit in beiden Studiengängen unterstreicht die Eignung des Lehrformats.

Take Home Message für die Praxis: Interprofessionelle Lehre in der EbM erzielt bei Medizin- und Zahnmedizinstudierenden vergleichbar hohe Lerneffekte und fördert neben Fachkompetenzen auch die interprofessionelle Zusammenarbeit.

Interessenkonflikte: Keine