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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Wer kommt regelmäßig zum DMP Diabetes und wer nicht? Eine retrospektive Kohortenstudie mit Routinedaten aus dem BeoNet Halle

Solveig Weise - Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Allgemeinmedizin, Deutschland
Sebastian Longaard - Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Allgemeinmedizin, Deutschland
Marcus Heise - Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Allgemeinmedizin, Deutschland; Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Universitätsklinik und Poliklinik für Gynäkologie, Deutschland
Thomas Frese - Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Allgemeinmedizin, Deutschland
Konstantin Moser - Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Allgemeinmedizin, Deutschland

Text

Hintergrund: Die Teilnahme am Disease-Management-Programme (DMP) für Typ-2-Diabetes ist mit einer höheren Prozessqualität der Diabetesversorgung assoziiert [Szecsenyi et al. 2008; Kellner et al. 2018]. DMP sehen einen quartalsweisen Patientenkontakt vor, doch bislang ist nicht bekannt, welche Patienten- oder Praxischarakteristika mit einer regelmäßigen Inanspruchnahme assoziiert sind.

Zielsetzung/Fragestellung: Welche Patientenmerkmale sind mit einer regelmäßigen DMP-Teilnahme assoziiert sind und wie stark ist die Praxisheterogenität?

Material & Methoden: Retrospektive Kohortenstudie mit Routinedaten des Registers BeoNet Halle. Eingeschlossen wurden Patient:innen mit Diabetes mellitus Typ 2 und DMP-Abrechnungsziffer im Beobachtungszeitraum. Verglichen wurden regelmäßige (8 Quartale in 2022 und 2023) und unregelmäßige Teilnahme (≤4 Quartale). Bivariate Vergleiche erfolgten über standardisierte Mittelwertdifferenz (SMD). Explorative serielle logistische Regressionen mit Praxis-Fixed-Effects untersuchten Markersets aus Demografie, Morbidität, Monitoring, Versorgungseinbindung und Medikation. Die Praxisheterogenität wurde über den Median Odds Ratio (MOR) quantifiziert.

Ergebnisse: Von 1.402 Patient:innen (11 Praxen) wiesen 77,8% eine regelmäßige und 22,2% eine unregelmäßige Teilnahme auf. Bivariat waren Diabetesschulung (SMD=0,74), Diabetesassoziierte-Komplikationen (0,64), Charlson comorbidity index (0,39) und Alter (0,37) mit regelmäßiger Teilnahme assoziiert. Im parsimonischen Modell blieben höheres Alter (OR 2,54; 95%-KI 1,52–4,24 für 71–79 vs. 18–63 J.) und diabetesspezifische Verordnung (OR 2,39; 1,34–4,26) robust. Schulungs- und Versorgungsmarker wurden durch Praxiseffekte absorbiert. Der MOR betrug 4,34 (3,67–4,95) und überstieg die Effektstärke aller individuellen Patientenmerkmale.

Diskussion: Die DMP-Teilnahmeregelmäßigkeit variiert stärker zwischen einzelnen Praxen als durch Patienteneigenschaften bedingt. Wir vermuten, dass außer den hier untersuchten Praxiseigenschaften auch Effekte der internen Praxisorganisation sowie Abrechnungsstrukturen eine Rolle spielen. Limitierend sind der retrospektive Ansatz, die geringe Clusterzahl und Selektionseffekte.

Take Home Message für die Praxis: Älter und kränkere Patienten nehmen regelmäßiger am DMP-Diabetes teil als jüngere und gesündere PWD. Praxiseigenschaften hatten jedoch einen größeren Effekt in unserer Studie auf die regelmäßige DMP Teilnahme als alle Patienteneigenschaften.

Interessenkonflikte: Keine