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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Vor dem Rettungsdiensteinsatz dokumentierte Infektionen bei Patient:innen mit nachfolgender Sepsis

Ruben Ulbrich - Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Medizinische Fakultät, Institut für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Magdeburg, Deutschland
Lena Kannengießer - Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Medizinische Fakultät, Institut für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Magdeburg, Deutschland
Carolin Fleischmann-Struzek - Universitätsklinikum Jena, Forschungsbereich Versorgungsforschung der Infektionserkrankungen, Institut für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene, Jena, Deutschland
Thomas Ruhnke - Wissenschaftliches Institut der AOK (WIdO), Forschungsbereich Qualitäts- und Versorgungsforschung, Deutschland
Enno Swart - Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Medizinische Fakultät, Institut für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Magdeburg, Deutschland
Ludwig Goldhahn - Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Medizinische Fakultät, Institut für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Magdeburg, Deutschland

Text

Hintergrund: Sepsis ist eine lebensbedrohliche, durch eine fehlregulierte Immunreaktion verursachte Organfunktionsstörung. Im Vordergrund steht dabei die Infektion als Ursache, weswegen eine frühzeitige Identifikation eines potenziellen Infektionsfokus u.a. in der rettungsdienstlichen Versorgung (RD) von zentraler Bedeutung ist. Im Rahmen der AVENIR-Studie (Innovationsfonds; Fkz. 01VSF21031) werden Versorgungspfade von Sepsispatient:innen und mögliche Verbesserungsansätze analysiert.

Zielsetzung/Fragestellung: Welche Behandlungen gehen einer RD-Notfallversorgung von (Sepsis-)Patient:innen voraus und inwiefern besteht für diese Gruppe bereits vor dem RD-Einsatz Anzeichen für eine akute (stationäre) Infektion.

Material & Methoden: Neben Informationen aus 797.949 RD-Primäreinsätzen (RD-Protokolle von luft- und bodengebundenen Einsätzen aus Bayern und Baden-Württemberg) werden mit diesen auf Fall- bzw. Personenebene verknüpfte sektorenübergreifende GKV-Routinedaten (u. a. stationäre Krankenhausbehandlungen, ambulante Behandlungen, Arzneimittelverordnungen) der AOK Bayern und Baden-Württemberg genutzt.

Ergebnisse: 3,2 % (n = 25.608) der RD-Primäreinsätze führten zu einer Krankenhausbehandlung mit Sepsis. Davon wiesen 1.835 (7,2 %) Einsätze innerhalb von sieben Tagen zuvor mindestens eine vollstationäre Behandlung auf, wovon 405 (22,1 %) stationäre Fälle mit einem Infektionscode (lt. Entlassungs-/Verlegungs-Diagnose) assoziiert sind (Vergleich Patient:innen ohne Sepsis: 14,1 %). Am häufigsten fanden sich bei den Sepsispatient:innen in der Woche vor dem Einsatz eine Infektion der unteren Atemwege (9,1 %) sowie des Harntrakts (3,3 %). Bei Einsätzen ohne folgende stationäre Sepsisbehandlung waren diese anteilig seltener (untere Atemwege: 5,7 %; Harntrakt: 2,1 %).

Diskussion: RD-Patient:innen mit anschließend stationär behandelter Sepsis wiesen in der Woche vor einem RD-Einsatz signifikant häufiger eine infektionsbedingte stationäre Behandlung auf. Dies unterstreicht die Bedeutsamkeit einer entsprechenden Anamneseerhebung während des RD-Einsatzes.

Im Weiteren wird betrachtet, ob ein vor dem RD-Einsatz dokumentierter Sepsis- bzw. Infektionsindikator (z.B. stationäre Vorbehandlung) mit einem entsprechenden Sepsisverdacht im RD-Einsatz assoziiert ist.

Take Home Message für die Praxis: Eine Anamnese hinsichtlich stationärer Vorbehandlungen könnte einen wichtigen Beitrag zur (prä)klinischen Sepsiserkennung während eines RD-Einsatzes leisten.

Interessenkonflikte: Keine