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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Einflussmöglichkeiten des ÖGD auf die Versorgungsqualität am Beispiel der Außerklinischen Intensivpflege

Patrick Ziech - Niedersächsisches Landesgesundheitsamt (NLGA), Hygiene und Umweltmedizin, Deutschland

Text

Hintergrund: Die außerklinische Intensivpflege (AKI) versorgt Patient:innen mit komplexem Pflegebedarf im häuslichen Umfeld oder in betreuten Wohneinrichtungen. Gleichzeitig besteht ein hoher Anspruch an Selbstbestimmung und Teilhabe. Es gibt Hinweise darauf, dass das Hygienemanagement in der AKI oftmals lückenhaft ausgebaut ist. Die Patient:innen in der AKI sind deutlich mehr mit Multirestenten Erregern (MRE) kolonisiert, als Patient:innen auf einer Intensivstation im Krankenhaus. Aufgrund multipler chronischer Erkrankungen, invasiver Beatmung, Harnwegskatheter oder parenteraler Ernährung sei eine besonders hohe Anfälligkeit für Infektionen zu erwarten. Dennoch fehlen konkrete Vorgaben zur Hygiene in der AKI

Zielsetzung/Fragestellung: Ziel war und ist es, geeignete und praxisnahe Hygienevorgaben für die AKI zu erarbeiten, um Patient:innen und Mitarbeitende vor Infektionen zu schützen.

Material & Methoden: Das NLGA verfolgt mit dem Projekt "Offensive zur Optimierung der Hygienequalität in der AKI“ einen multifaktoriellen Ansatz. Dabei setzt die Offensive nicht nur auf bereits vorhandenes Wissen, sondern bezieht interdisziplinäre Expertisen, inklusive der Patientenperspektive, hinzu und führt(e) eigene wissenschaftliche Untersuchungen durch. Das NLGA hat eigene Studien zur Infektionsprävention durchgeführt. Die Ergebnisse wurden durch diverse Fachartikel und Vorträge präsentiert.

Ergebnisse: Ein Ergebnis ist, dass die hohen MRE-Raten auch bundesweit nachweisbar sind. Hygienemaßnahmen müssen vor allem auf die Device-assoziierten Infektionen abzielen (z.B. Vermeidung von katheterassoziierten Harnwegsinfektionen). Organisatorische Hygiene-Strukturen müssen in der AKI aufgebaut werden. Es wurde eine länderübergreifende Checkliste sowie die Empfehlung zur Aufbereitung von Medizinprodukten in der AKI erarbeitet. Die Evaluierung der Ergebnisse bzw. des Implementierungsgrads aller Projekt-Elemente steht aktuell noch aus.

Auch die Änderungen im IfSG zur Überwachung der AKI basieren auf Erkenntnissen des ÖGD.

Diskussion: Das NLGA konnte interdisziplinäre Netzwerkstrukturen aufbauen und rechtlliche sowie fachliche Defizite in der AKI identifizieren. Bisher fehlen teilweise immer noch rechtliche Rahmenbedingungen, um die Verantwortlichkeiten in der Umsetzung von Hygienemaßnahmen festzulegen. Der ÖGD kann hier Probleme in der Versorgungspraxis identifizieren und klar an die Politik und Wissenschaft mitteilen.

Take Home Message für die Praxis: Der ÖGD ist u.a. durch die infektionshygienische Überwachung in der Lage Probleme in der Versorgungsqualität zu erkennen und nachhaltig zu verbessern.

Interessenkonflikte: Bezahlte Vorträge zu Hygiene in der AKI u.a. für Pflegedienste und Medizinprodukte-Hersteller. Fördergelder im Rahmen des SIMPATI-Projektes durch den G-BA