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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Untersuchung von Versorgungsungleichheiten in intersektionaler Verschränkung in Notaufnahme-Settings

Farina Bünning - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Institut für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft, Berlin, Deutschland
Anna Slagman - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Notfallmedizinische Versorgungsforschung, Notfall- und Akutmedizin, Berlin, Deutschland
Martin Möckel - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Notfall- und Akutmedizin, Zentrale Notaufnahmen, Berlin, Deutschland
Maja Apelt - Universität Potsdam, Organisations- und Verwaltungssoziologie, Potsdam, Deutschland
Andreas Wagenknecht - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Institut für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft, Berlin, Deutschland
Daniela Krüger - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Notfallmedizinische Versorgungsforschung, Notfall- und Akutmedizin, Berlin, Deutschland
Teresa Löckmann - Universität Potsdam, Organisations- und Verwaltungssoziologie, Potsdam, Deutschland
Liane Alexandra Schenk - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Institut für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft, Berlin, Deutschland

Text

Hintergrund: Strukturelle und organisationale Rahmenbedingungen können es Personal in Notaufnahmen (NA) erschweren, auf heterogene Versorgungsbedarfe der nur kurzzeitig bleibenden Patient:innen einzugehen. Versorgungsungleichheiten bspw. bei Triage, Diagnostik und Therapie variieren zwischen Geschlecht, Ethnizität und Mehrgewicht, wobei deren intersektionale Verschränkung bislang wenig erforscht ist.

Zielsetzung/Fragestellung: Im Projekt werden soziale Mechanismen und organisationale Rahmenbedingungen von Versorgungsungleichheiten rekonstruiert und Lösungsansätze einer diversitätsorientierten Notfallversorgung entwickelt. Dieser Beitrag zeigt, wie ein intersektionaler Forschungsansatz im NA-Setting umgesetzt werden kann.

Material & Methoden: In einem partizipativen Mixed-Methods Design erheben wir in fünf NA die Perspektiven von Expert:innen des organisationalen Kontextes (n=20 Interviews), des Personals (n=25 Leitfadeninterviews) und von Patient:innen (n=576 in Survey; n=10 Leitfadeninterviews mit nichtdeutscher Herkunftssprache, n=10 Leitfadeninterviews mit Mehrgewicht). Dafür werden mehrsprachige Aufklärvideos und Fragebögen eingesetzt. Mittels Interaktionstermen und Methoden wie MAIHDA werden die Survey-Daten analysiert. Eine dokumentarische Analyse von teilnehmenden Beobachtungen (n=40) ermöglicht zusätzlich den Zugang zu informellen Alltags- und Entscheidungspraxen in den NA. In Workshops entwickeln Expert:innen, Patient:innenvertretungen und NA-Personal anhand der triangulierten Ergebnisse konkrete Lösungsansätze einer diversitätsorientierten Notfallversorgung.

Ergebnisse: Die Untersuchung von Versorgungsungleichheiten in intersektionaler Verschränkung erfordert ein diversitätssensitives Methodendesign bzgl. der Stichprobenplanung, des Zugangs zum sensitiven NA-Setting, des Fragebogen- und Leitfadendesigns, der Analyse und der Triangulation. Patient:innenvertretungen werden partizipativ in alle Schritte einbezogen.

Diskussion: Das Mixed-Methods Design erlaubt die analytische Verknüpfung sozialer Mechanismen mit organisationalen Rahmenbedingungen im NA-Setting sowie die umfassende Darstellung intersektionaler Verschränkungen von Geschlecht, Ethnizität und Mehrgewicht. So können ebenfalls externe Zuschreibungen durch NA-Personal sowie Haltung und Vorannahmen der Forschenden berücksichtigt werden.

Take Home Message für die Praxis: Die Untersuchung intersektional verschränkter Ungleichheitsdimensionen erfordert die Balance zwischen Kontext- und Methodenabhängigkeit sowie reflexive Fähigkeiten der Forschenden unter Einbezug partizipativer Zusammenarbeit mit der Praxis.

Interessenkonflikte: Ideelle Interessen:

  • Daniela Krüger ist Mitarbeiterin der Notaufnahmen Campus Charité Mitte und Campus Virchow-Klinikum
  • Martin Möckel (Ärztlicher Leiter, Professor für Notfallmedizin) und Anna Slagman (Universitätsprofessorin für Notfallmedizinische Versorgungsforschung) sind Leitungspersonen der Notaufnahmen Campus Charité Mitte und Campus Virchow-Klinikum