Logo

Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Soziale Ungleichheit in der Pflege – erfahren Gesetzlich-Versicherte in deutschen Krankenhäusern die gleiche Pflegequalität wie Privat-Versicherte? Ein Scoping Review

Selina Baumann - Hochschule München, MUC.HEALTH Campus for Health and Engineering, München, Deutschland; Promotionszentrum Sozial- und gesundheitswissenschaftliche Gestaltung von Transformationsprozessen (PZSGT), Deutschland
Andreas Fraunhofer - Hochschule München, MUC.HEALTH Campus for Health and Engineering, München, Deutschland
Christian Janssen - Hochschule München, Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften, München, Deutschland; Promotionszentrum Sozial- und gesundheitswissenschaftliche Gestaltung von Transformationsprozessen (PZSGT), Deutschland

Text

Hintergrund: Ein Ziel der Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen ist die Reduzierung von Ungleichheiten unter anderem im Zugang zu Gesundheit. Pflegefachpersonen kommt bei der Erreichung dieses Ziels eine zentrale Rolle zu. In Deutschland kann das duale Gesundheitssystem (gesetzliche (GKV) /private Krankenversicherung (PKV)) potenzielle Ungleichheiten in der Krankenhausversorgung fördern. Offen bleibt, ob und wie solche möglichen Ungleichheiten die Pflege in deutschen Krankenhäusern betreffen.

Zielsetzung/Fragestellung: Ziel der vorliegenden Analyse war, bestehende Erkenntnisse über die Rolle des Versicherungsstatus bei sozialen Ungleichheiten in der Pflege im deutschen Krankenhaussektor zu untersuchen. Des Weiteren sollten strukturelle und individuelle Faktoren identifiziert werden, die zu möglichen Disparitäten beitragen können.

Material & Methoden: Ein Scoping-Review nach JBI-Methodologie und PRISMA-ScR wurde durchgeführt (OSF-Registrierung vom 05.Oktober 2025: https://doi.org/10.17605/OSF.IO/RYV6U). Die Datenbanken PubMed, SCOPUS, CINAHL und Thieme wurden systematisch durchsucht, ergänzt durch eine Internetsuche und Schneeballanalysen.

Ergebnisse: Von 188 anfänglichen Treffern wurden nur acht Publikationen zu sozialen Ungleichheiten im klinischen Pflegesetting identifiziert, was den Mangel an empirischer Evidenz zu dieser Fragestellung verdeutlicht. Vier theoretisch-konzeptionelle Arbeiten stützten sich auf Konzepte wie Bourdieus Kapitalformen und soziale Milieus. Zwei Studien zeigten Ungleichheiten bei Patienten mit Kommunikationsbarrieren, etwa durch fehlende Sprachkenntnisse im Migrationskontext. Eine quantitative Untersuchung berichtete, dass Pflegepersonal in Notaufnahmen den Kontakt mit trans-, inter- und nicht-binären Patienten teilweise vermied. Nur eine Studie untersuchte die Unterschiede zwischen GKV und PKV-Patienten und stellte keine Unterschiede in den Wartezeiten auf Pflegepersonal fest.

Diskussion: Empirische Erkenntnisse zum Einfluss des Versicherungsstatus auf die pflegerische Versorgung sind national wie international weiterhin begrenzt. Vor dem Hintergrund der SDGs

bietet weitere Forschung hierzu ein großes Potenzial, bislang übersehene strukturelle und individuelle Faktoren sozialer (Un-)Gleichheit in der pflegerischen Versorgung aufzudecken.

Take Home Message für die Praxis: Zukünftige Forschung zu dieser Fragestellung sollte in empirischen Untersuchungen neben einem Vergleich der Versicherungsarten auch intersektionale Dimensionen und Qualitätsmaßstäbe wie Patient-Reported Experiences miteinbeziehen.

Interessenkonflikte: Keine