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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Die Bedeutung von Belastungen durch finanzielle Sorgen für die Erklärung von Einkommensunterschieden in der allgemeinen Gesundheit – eine Analyse der Studie „Gesundheit in Deutschland“ (RKI-Panel)

Benjamin Wachtler - Robert Koch-Institut, Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Fachgebiet Soziale Determinanten der Gesundheit, Deutschland
Florian Beese - Robert Koch-Institut, Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Fachgebiet Soziale Determinanten der Gesundheit, Deutschland
Julia Waldhauer - Robert Koch-Institut, Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Fachgebiet Soziale Determinanten der Gesundheit, Deutschland
Jens Hoebel - Robert Koch-Institut, Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Fachgebiet Soziale Determinanten der Gesundheit, Deutschland

Text

Hintergrund: Menschen mit geringem Einkommen berichten häufiger eine schlechtere allgemeine Gesundheit. Erklärungsmechanismen sind weniger gut untersucht; psychosoziale Belastungen durch finanzielle Sorgen könnten eine wichtige Rolle spielen.

Zielsetzung/Fragestellung: Ziel ist es, die Verteilung finanzieller Sorgen in der Bevölkerung in Deutschland, deren Zusammenhang mit selbstberichteter Gesundheit (SRH) sowie den Erklärungsanteil in der einkommensbezogenen gesundheitlichen Ungleichheit zu beschreiben.

Material & Methoden: Eingeschlossen wurden 27.102 Teilnehmende (14.762 Frauen) über 18 Jahre der bevölkerungsbasierten Studie „Gesundheit in Deutschland“ (RKI-Panel) 2024, die angaben, wie stark sie sich in den letzten vier Wochen durch finanzielle Sorgen ziemlich oder stark belastet fühlten. Drei Einkommensgruppen wurden unterschieden: armutsgefährdet (<60% des medianen Nettoäquivalenzeinkommens), mittleres (60–150%) und hohes Einkommen (≥150%). Schlechte SRH wurde durch Zusammenfassung der Antwortkategorien mittelmäßig/schlecht/sehr schlecht definiert. Es wurden altersadjustierte Prävalenzen und für Alter und Wohnregion adjustierte Prävalenzverhältnisse (PR) mittels Poisson-Regression stratifiziert nach Geschlecht geschätzt. Der durch Belastungen durch finanzielle Sorgen erklärbare Anteil der Einkommensunterschiede in SRH wurde mittels Karlson-Holm-Breen-Methode quantifiziert.

Ergebnisse: (Vorläufige Ergebnisse)

Menschen in der armutsgefährdeten Gruppe hatten im Vergleich zur hohen Einkommensgruppe deutliche höhere PR für eine schlechte SRH (PR: Frauen 2,08, 95%-KI 1,87-2,32; Männer 2,57, 95%-KI 2,29-2,88). Insgesamt gaben 25,2% der Frauen (95%-KI 24,2–26,3%) und 24,5% der Männer (95%-KI 23,3–25,7%) an, durch finanzielle Sorgen belastet zu sein. Die Prävalenz war in der armutsgefährdeten Gruppe fast viermal so hoch wie bei hohem Einkommen (42% vs. 11%). Belastete hatten ein im Vergleich zu Nicht-Belasteten deutlich erhöhtes Risiko für schlechte SRH (PR: Frauen 1,73, 95%-KI 1,62–1,84; Männer 1,98, 95%-KI 1,83–2,14). Die Mediationsanalyse zeigte, dass 26–27% der Einkommensungleichheit in SRH durch finanzielle Sorgen erklärt werden können.

Diskussion: Belastungen durch finanzielle Sorgen tragen einen beträchtlichen Anteil zur Erklärung von Einkommensungleichheit in der Gesundheit bei.

Take Home Message für die Praxis: Neben allgemeinen Maßnahmen zur Verringerung von Armut, könnte die gezielte Unterstützung von Personen in finanziell prekären Lagen zur Reduzierung gesundheitlicher Ungleichheit beitragen.

Interessenkonflikte: Keine