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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Burnout und Work-Life-Balance – eine Längsschnittstudie am Übergang vom Studium zur Weiterbildung

Selina Dural - Technische Universität München, Institut für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, München, Deutschland
Sandra Decker - Technische Universität München, Institut für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, München, Deutschland
Philip Walter - Technische Universität München, Institut für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, München, Deutschland
Michael Merkle - Technische Universität München, Institut für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, München, Deutschland
Pascal Berberat - Technische Universität München, TUM Medical Education Center, München, Deutschland
Alexander Hapfelmeier - Technische Universität München, Institut für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, München, Deutschland
Antonius Schneider - Technische Universität München, Institut für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, München, Deutschland

Text

Hintergrund: Studierende im Praktischen Jahr des Medizinstudiums und Ärzt:innen in den ersten Jahren der Weiterbildung berichten vermehrt über hohe berufliche Belastungen. Bislang ist jedoch unbekannt, wie intensiv diese Belastungen beim Übergang vom Studium in den Beruf subjektiv wahrgenommen werden.

Zielsetzung/Fragestellung: Es wird untersucht, wie sich die Burnout-Dimensionen, die Work-Life-Balance sowie die Haltung zur Arbeit mit Patient:innen vom 9. Semester des Medizinstudiums bis in die ersten Jahre der Weiterbildung entwickeln.

Material & Methoden: Es handelt sich um eine quantitative Längsschnittbefragung von Studierenden im 9. und 10. Semester sowie im Praktischen Jahr mit Follow-Up über zwei Jahre. Die Datenerhebung erfolgte mithilfe des Maslach-Burnout-Inventory (MBI), der Trierer Kurzskala zur Work-Life-Balance sowie ergänzenden Fragen zur Patientenversorgung. Die Auswertung umfasste eine Verlaufsanalyse unter Anwendung linearer gemischter Modelle.

Ergebnisse: Insgesamt nahmen 321 Studierende an der Studie teil, davon 216 (67,3%) weiblich. Die Mittelwerte der MBI-Dimensionen berufliche Erschöpfung und Depersonalisierung/Empathieverlust stiegen, während die persönliche Leistungsfähigkeit abnahm. Eine hohe berufliche Erschöpfung lag initial bei 10,3% vor, stieg im ersten Assistenzjahr auf 47,4% und sank im zweiten Jahr auf 22,2%. Schon im 9. Semester wiesen 43,6% sehr hohe Werte für Depersonalisierung/Empathieverlust auf, mit einem Anstieg im Verlauf auf 66,7%. Die Häufigkeit einer niedrigen persönlichen Leistungsfähigkeit stieg von 48,7% auf 66,7%. Gleichzeitig nahm die Work-Life-Balance ab.

Diskussion: Die Längsschnittstudie zeigt eine deutliche Zunahme von Erschöpfung und Depersonalisierung sowie eine Verschlechterung der Work-Life-Balance vom Studium bis in die Weiterbildung, bei gleichzeitig sinkender Leistungsfähigkeit. Burnout-Werte sind bereits im Studium hoch und steigen weiter an. Im Vergleich zu anderen Berufsgruppen scheint die Belastung bei angehenden Ärzt:innen besonders ausgeprägt. Geschlechtsunterschiede zeigen höhere Depersonalisierung bei Männern und stärkere berufliche Erschöpfung bei Frauen. Trotz hoher Belastung bleibt die Bindung an die Patientenversorgung bestehen.

Take Home Message für die Praxis: Angesichts der zunehmenden Verschlechterung bei bereits ungünstigen Ausgangswerten der MBI-Dimensionen sind Verbesserungen der strukturellen Rahmenbedingungen in der ärztlichen Weiterbildung dringend erforderlich, um die hohe Belastung zu reduzieren.

Interessenkonflikte: Keine