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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Generalisiertes Belastungserleben im Kontext der Polykrise und seine Bedeutung für die psychische Gesundheit

Stephan Junker - Robert Koch – Institut, Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Deutschland
Elvira Mauz - Robert Koch – Institut, Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Deutschland
Tim Friedrich - Robert Koch – Institut, Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Deutschland
Caroline Cohrdes - Robert Koch – Institut, Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Deutschland

Text

Hintergrund: Die gegenwärtige gesellschaftliche und globale Lage wird zunehmend als krisenhaft beschrieben und mit negativen Auswirkungen auf die psychische Gesundheit in Verbindung gebracht. Verschiedene Krisen greifen dabei ineinander und verstärken sich im Sinne einer Polykrise. Bislang ist unklar, ob sich Belastungen in übergeordnete Bereiche zusammenfassen lassen, und wie diese mit der psychischen Gesundheit zusammenhängen.

Zielsetzung/Fragestellung: Untersucht wird, ob sich wahrgenommene krisenbezogenen Belastungen auf einen gemeinsamen oder verschiedene Faktoren zurückführen lassen und wie diese mit der psychischen Gesundheit zusammenhängen.

Material & Methoden: Analysiert wurden Daten des bevölkerungsrepräsentativen RKI-Panels „Gesundheit in Deutschland“ (05/2024–01/2025) (N=16.262, 18–99 Jahre, 54,5% Frauen). Erfasst wurden Belastungen der letzten vier Wochen durch wahrgenommene individuelle Problemlagen, kurz: individuelle Belastungen (z. B. finanzielle Sorgen, Arbeits- oder Wohnungslosigkeit) sowie durch gesellschaftliche Entwicklungen, kurz gesellschaftliche Belastungen (z. B. Kriege, Klimawandel, allgemeine wirtschaftliche Entwicklung). Die faktorielle Struktur wurde mittels gewichteter Strukturgleichungsmodelle untersucht (explorative und konfirmatorische Ansätze sowie bifaktorielle Modelle). Zusammenhänge mit Depressions- und Angstsymptomen (PHQ-8, GAD-7) sowie Wohlbefinden wurden mittels linearer Regressionspfade analysiert.

Ergebnisse: Es zeigte sich ein ausgeprägter Generalfaktor („generalisiertes Belastungserleben“) der einen großen Teil der Varianz erklärt. Gesellschaftliche Belastungen luden besonders stark auf diesen Faktor (bis ~0,7). Gleichzeitig verblieben substanzielle spezifische Varianzanteile für einen Faktor individuelle Belastungen. Sowohl der Generalfaktor (β = 0,11–0,28 ) als auch spezifische individuelle Belastungen sind negativ (β = 0,23–0,66) mit Indikatoren psychischer Gesundheit assoziiert (β vollständig standardisiert).

Diskussion: Verschiedene individuelle und gesellschaftliche Belastungen hängen miteinander zusammen und lassen sich unter einem Faktor generalisiertes Belastungserleben bündeln. Gleichzeitig behalten individuelle Belastungen eine darüberhinausgehende eigenständige Bedeutung für die psychische Gesundheit.

Take Home Message für die Praxis: Public-Health-Maßnahmen sollten neben individuellen Lebenslagen auch ein übergreifendes Belastungserleben berücksichtigen, das aus verschiedenen Belastungsquellen entsteht.

Interessenkonflikte: Keine