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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Patientenaktivierung unterstützt den Behandlungseffekt einer hausärztlichen Intervention bei PTBS nach Intensivaufenthalt: Sekundäranalyse der PICTURE-Studie

Philip Pfisterer - LMU München, Institut für Allgemeinmedizin, München, Deutschland
Robert Philipp Kosilek - LMU München, Institut für Allgemeinmedizin, München, Deutschland
Linda Sanftenberg - LMU München, Institut für Allgemeinmedizin, München, Deutschland
Konrad Schmidt - Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane, Institut für Allgemeinmedizin, Deutschland; Charité, Institut für Allgemeinmedizin, Deutschland
Antina Beutel - Universität Konstanz, Fachbereich Psychologie, Konstanz, Deutschland
Daniela Lindemann - LMU München, Institut für Allgemeinmedizin, München, Deutschland
Thomas Elbert - Universität Konstanz, Fachbereich Psychologie, Konstanz, Deutschland
Jochen Gensichen - LMU München, Institut für Allgemeinmedizin, München, Deutschland

Text

Hintergrund: Nach intensivmedizinischer Behandlung entwickeln etwa 20% der Patient:innen Symptome einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), häufig mit funktionellen Einschränkungen. Patientenaktivierung beschreibt Wissen, Fähigkeiten und Selbstvertrauen für aktives Selbstmanagement. Ihre Bedeutung für den Nutzen eines psychologischen Nachsorgeprogramms ist bislang unzureichend untersucht.

Zielsetzung/Fragestellung: Untersucht wurde, welche Faktoren mit der Patientenaktivierung (PAM-Level 1–4) bei Überlebenden kritischer Erkrankungen assoziiert sind. Zudem wurde geprüft, ob das Ausgangsniveau der Patientenaktivierung den Effekt einer hausärztlichen Narrativen Expositionstherapie (NET) die Symptomschwere einer PTBS nach 6 und 12 Monaten moderiert.

Material & Methoden: Es wurde eine Sekundäranalyse der multizentrischen randomisierten kontrollierten Studie PICTURE durchgeführt. Die Patientenaktivierung wurde mit dem Patient Activation Measure (PAM) erhoben und in vier Stufen kategorisiert. Determinanten wurden mittels ordinaler und multinomialer logistischer Regression analysiert. Treatment Effects auf die PTBS-Symptomschwere (PDS-5) nach 6 und 12 Monaten wurden über die PAM-Ausgangsstufen hinweg geschätzt und für Baseline-PDS-5 sowie WHODAS adjustiert.

Ergebnisse: Von 319 Studienteilnehmern waren 161 (50,5%) hoch aktiviert (PAM-Level 4). Funktionelle Beeinträchtigung (WHODAS 2.0) war der stärkste unabhängige Prädiktor niedriger Aktivierung (OR 0,60 pro SD; 95%-KI 0,49–0,75); insbesondere bei Mobilität/Stehen, Haushalt, Lernen und sozialer Teilhabe unterschieden sich die Aktivierungslevel. Die Intervention reduzierte die PTBS-Symptomschwere nach 6 Monaten (ATE −4,58; 95%-KI −7,68 bis −1,48) und nach 12 Monaten (ATE −5,40; 95%-KI −8,91 bis −1,89). Der größte Behandlungseffekt zeigte sich bei Patient:innen mit PAM-Level 4 (GATE −7,95 bzw. −9,73).

Diskussion: Ein höheres Maß an Patientenaktivierung war mit einem größeren Effekt der Intervention auf die PTBS-Symptomatik assoziiert. Dies könnte darauf hindeuten, dass die Patientenaktivierung eine relevante Voraussetzung für den Nutzen psychologischer Nachsorgeinterventionen in der hausärztlichen Praxis darstellt.

Take Home Message für die Praxis: In der hausärztlichen Nachsorge könnte eine kurze strukturierte Erfassung von Patientenaktivierung und körperlichen Beeinträchtigungen helfen, Patient:innen mit erhöhtem Unterstützungsbedarf früh zu erkennen. Bei niedrigem Aktivierungsniveau könnten eine zusätzliche, alltagsnahe Unterstützung zur Förderung des Selbstmanagements sinnvoll sein.

Interessenkonflikte: Keine