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Gesundheit gestalten
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen
Gesundheit gestalten
Altersbilder im Kontext medizinischer Entscheidungsfindung
Text
Hintergrund: Während die Zusammenhänge zwischen der eigenen Alterswahrnehmung und der Gesundheit sowie gesundheitsbezogenem Verhalten relativ gut erforscht sind, gibt es bisher nur wenige Publikationen dazu, wie die eigene Alterswahrnehmung die medizinische Entscheidungsfindung beeinflusst. Auch die Altersbilder von Pflegekräften und Ärzt:innen und deren Einfluss auf Entscheidungsprozesse sind bislang wenig erforscht.
Zielsetzung/Fragestellung: Vor diesem Hintergrund wurde untersucht, welche Altersbilder Ärzt:innen, Pflegekräfte und Personen ab 75 Jahren haben und welche Rolle diese in Argumentationen zu medizinischen Entscheidungen im hohen Alter spielen.
Material & Methoden: In einem qualitativen Forschungsdesign wurden 16 Fokusgruppendiskussionen (N=79) geführt – fünf mit Ärzt:innen (n=24), fünf mit Pflegekräften (n=28) und sechs mit Senior:innen ab 75 Jahren (n=27). Die Diskussionen wurden von zwei Fallbeispielen typischer geriatrischer Entscheidungssituationen angestoßen. Zusätzlich wurden acht Personen ab 75 Jahren, die alters- oder gesundheitsbedingt nicht an einem Gruppengespräch teilnehmen konnten, einzeln interviewt. Die Daten wurden mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet.
Ergebnisse: Die Auswertung ergab vier wesentliche Altersbilder: (1) Alter bedeutet Freiheit und Autonomie, (2) Alter bedeutet Verfall oder zumindest ein Risiko dafür, (3) Alter bringt altersbedingte Aufgaben mit sich, (4) Alter bedeutet, dass das Sterben näher rückt. Diese Altersbilder stehen in Wechselwirkung zueinander und führen zu einer Verschiebung der Wünsche, Perspektiven, Präferenzen und Prioritäten in Bezug auf medizinische Behandlungen im hohen Alter. Unter den Senior:innen ließ sich zudem die Tendenz erkennen, dass männliche Teilnehmende sich eher für risikoreiche Behandlungen aussprachen.
Diskussion: Während die Altersbilder der Pflegekräfte und Ärzt:innen eher defizitorientiert waren, konnten die Senior:innen im Alter neben Einschränkungen auch einen großen Zugewinn an Freiheit erkennen. Allerdings repräsentieren die Befragten eher eine überdurchschnittlich gebildete, aktive und gut vernetzte Gruppe älterer Erwachsener. Die Einzelinterviews bildeten hier einen deutlichen Kontrast.
Take Home Message für die Praxis: Ältere Menschen verbinden mit dem Alter nicht nur Verlust, sondern auch Autonomie und neue Freiheiten. Für eine patientenzentrierte Versorgung sollte in Gesprächen berücksichtigt werden, wann medizinische Entscheidungen im hohen Alter primär dazu dienen sollten, diese Freiheiten zu erhalten.
Interessenkonflikte: Keine



