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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Informierte Entscheidung oder Wahl des Standards? Teilnahmeintentionen in der Krebsfrüherkennung

Rebecca Blase - Universität Bonn, Universitätsklinikum Bonn, Institut für Hausarztmedizin, Bonn, Deutschland; Universität Bonn, Universitätsklinikum Bonn, Health and Risk Communication Lab, Bonn, Deutschland
Simone Dohle - Universität Bonn, Universitätsklinikum Bonn, Institut für Hausarztmedizin, Bonn, Deutschland; Universität Bonn, Universitätsklinikum Bonn, Health and Risk Communication Lab, Bonn, Deutschland

Text

Hintergrund: Organisierte Programme zur Krebsfrüherkennung gelten als zentraler Bestandteil der Gesundheitsvorsorge. Sie sollen informierte Teilnahmeentscheidungen unterstützen, gleichzeitig ist wenig darüber bekannt, ob bereits die Einbettung einer Untersuchung in ein organisiertes Programm die Teilnahmeentscheidung beeinflusst.

Zielsetzung/Fragestellung: Untersucht wurde, ob organisierte Früherkennungsprogramme Teilnahmeintentionen beeinflussen und ob dieser Effekt durch die Wahrnehmung der Teilnahme als Default (Standard) vermittelt wird.

Material & Methoden: In einem präregistrierten Online-Experiment wurden 997 Teilnehmende im Alter von 18–75 Jahren (M = 47,93; SD = 15,62) einer von drei Bedingungen zugewiesen. Sie lasen ein Szenario zu einer hypothetischen Krebsfrüherkennungsuntersuchung, die entweder (a) als Teil eines organisierten Screeningprogramms, (b) auf Anfrage als individuelle Gesundheitsleistung oder (c) im Rahmen eines Forschungsprojekts angeboten wurde. Die Teilnehmenden erhielten identische Informationen über die Untersuchung mit dem gleichen Nutzen-Schaden-Verhältnis wie das Mammographie-Screening, dargestellt in einer Faktenbox ohne Nennung einer spezifischen Krebsart. Zentrale abhängige Variable war die Teilnahmeintention; als Mediator wurde der wahrgenommene Default der Teilnahme untersucht. Weitere Variablen umfassten Einstellungen zum Screening, Wissen über die Informationen, Informationsbedarf, Lesezeit der Faktenbox, subjektive Rechenkompetenz sowie soziodemografische Merkmale und Screeninghistorie.

Ergebnisse: Die Teilnahmeintention war signifikant höher, wenn die Untersuchung als Teil eines organisierten Programms dargestellt wurde. Dieser Effekt zeigte sich unabhängig von Alter, subjektiver Rechenkompetenz und vorheriger Screeningteilnahme. Mediationsanalysen ergaben, dass der Programmeffekt indirekt über die Wahrnehmung der Teilnahme als Default vermittelt wurde. Dagegen zeigte sich kein Einfluss des Screeningstatus auf Einstellungen zum Screening oder auf Indikatoren der Informationsverarbeitung (Lesezeit, Wissen, Informationsbedarf).

Diskussion: Die Darstellung eines Screenings als Teil eines organisierten Programms stellt ein starkes Entscheidungssignal dar, das Teilnahmeintentionen beeinflusst und damit die Annahme relativiert, dass ausgewogene Informationen allein informierte Entscheidungen sicherstellen.

Take Home Message für die Praxis: Organisierte Screeningprogramme können selbst wie eine Empfehlung wirken. Ihre Organisation und Kommunikation müssen ergebnisoffene Transparenz und aktive, präferenzsensible Entscheidungen fördern.

Interessenkonflikte: Keine