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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Zugang zur Krebsfrüherkennung für Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung: strukturelle Barrieren und Empfehlungen aus Expert:inneninterviews in Europa

Carmen Koko - Deutsche Krebsgesellschaft e. V., Abteilung für Versorgungsforschung, Deutschland
Hannah Lange - Deutsche Krebsgesellschaft e. V., Abteilung für Versorgungsforschung, Deutschland
Christoph Kowalski - Deutsche Krebsgesellschaft e. V., Abteilung für Versorgungsforschung, Deutschland

Text

Hintergrund: Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung (intellectual disability) nehmen in vielen Ländern deutlich seltener an Krebsfrüherkennungsprogrammen teil als die Allgemeinbevölkerung. Während bisherige Studien vor allem individuelle Barrieren beschreiben, ist bislang wenig darüber bekannt, welche organisatorischen Voraussetzungen und Rahmenbedingungen erforderlich sind, um einen gleichberechtigten Zugang in organisierten Screening-Programmen zu ermöglichen.

Zielsetzung/Fragestellung: Die Studie untersucht Perspektiven von Expert:innen zu strukturellen Barrieren, förderlichen Faktoren sowie bewährten Ansätzen und Empfehlungen zur Verbesserung des Zugangs zur Krebsfrüherkennung in organisierten Screening-Programmen in europäischen Ländern.

Material & Methoden: Im Rahmen einer qualitativen Studie werden halbstrukturierte Interviews mit Expert:innen aus Screening-Programmen, Gesundheitsverwaltung, klinischer Versorgung und Interessenvertretungen in neun Ländern durchgeführt. Die Rekrutierung erfolgt über Netzwerke des EUCanScreen-Projekts. Die Interviews werden aufgezeichnet, transkribiert und mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Kuckartz ausgewertet. Die Analyse orientiert sich am Zugangskonzept nach Levesque et al. (Conceptual framework of access to healthcare) und umfasst Screening-Programme für Brust-, Gebärmutterhals- und Darmkrebs.

Ergebnisse: Die Interviews zeigen, dass Zugang zur Krebsfrüherkennung als mehrstufiger Prozess verstanden wird. Neben servicebezogenen Anpassungen wie barrierefreier Kommunikation und flexibler Terminvergabe werden insbesondere strukturelle Rahmenbedingungen hervorgehoben, darunter politische Priorisierung, klare Governance-Strukturen, Möglichkeiten zur Identifikation von Unterstützungsbedarfen sowie Daten- und Monitoring-Strukturen.

Diskussion: Die Ergebnisse verdeutlichen das Potenzial des europäischen Vergleichs und den Bedarf struktureller Anpassungen organisierter Screening-Programme sowie unterstützender gesundheitspolitischer Rahmenbedingungen. Weitere Interviews sind geplant und werden die Analyseperspektive erweitern.

Take Home Message für die Praxis: Eine inklusivere Krebsfrüherkennung für Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung erfordert neben individuellen Unterstützungsmaßnahmen insbesondere strukturelle Veränderungen in Governance, Dateninfrastruktur und Organisation nationaler Screening-Programme.

Interessenkonflikte: Keine