20. Internationales SkillsLab Symposium 2026
20. Internationales SkillsLab Symposium 2026
Etablierung eines praktischen Leichenschaututoriums im Peer-Teaching Format
Text
Hintergrund: Die Durchführung einer Leichenschau ist eine wichtige, nicht delegierbare ärztliche Tätigkeit und im NKLM 2.0. [https://nklm.de/zend/menu] als Lernziel VIII.7-02.6.4 mit dem Kompetenzniveau 3a verankert. Dennoch bestehen innerhalb der Ärzt*innenschaft Defizite in der Durchführung und Dokumentation der Leichenschau. So zeigten Zack et al. [1], dass 97,8% der untersuchten Todesbescheinigungen fehlerhaft waren. Im Göttinger Lernzielkatalog [2] ist die Durchführung der Leichenschau dem Kompetenzniveau „angewendet/durchgeführt“ zugeordnet. Die entsprechende Lehre ist im 1. klinischen Semester und im Praktischen Jahr verortet. Aufgrund des häufig großen zeitlichen Abstands zwischen Lehre und praktischer Anwendung berichten viele PJler*innen über Unsicherheiten, die nicht immer durch betreuende Ärzt*innen aufgefangen werden können. Ziel der Etablierung eines Leichenschau-Tutoriums ist es daher, die Zeit zwischen Lehre und Anwendung durch Wiederholung und Vertiefung mittels realer Übung zu überbrücken und so langfristig möglicherweise auch die Anzahl fehlerhaft ausgefüllter Todesbescheinigungen zu reduzieren.
Projektbeschreibung: In Kooperation mit der Abteilung Rechtsmedizin wurde ein Leichenschau-Tutorium im Peer-Teaching-Format für Kleingruppen im STÄPS, dem SkillsLab der UMG, etabliert. Das Tutorium gliedert sich in einen theoretischen und einen praktischen Teil. Der theoretische Teil umfasst unter anderem sichere Todeszeichen, die Unterscheidung zwischen natürlicher und nicht natürlicher Todesursache, das strukturierte Vorgehen bei einer Leichenschau sowie das Ausfüllen der Todesbescheinigung. Im praktischen Teil führen die Teilnehmenden eine Leichenschau an einer Leiche durch.
Evaluation: Alle Teilnehmenden der Evaluation (n=20) schätzen dieses Tutorium für ihre zukünftige ärztliche Tätigkeit als äußerst relevant ein. Hinsichtlich des Lernsettings werden der Themenhorizont sowie die Mischung aus Theorie und Praxis positiv bewertet. Besonders die Möglichkeit der praktischen Übung wird hervorgehoben. Ziel des Tutoriums ist die Verbesserung der Fähigkeiten der Teilnehmenden, was bei allen Lernzielen erreicht wurde.
Schlussfolgerung: Die Etablierung eines Leichenschau-Tutoriums im Peer-Teaching-Format ist möglich, erfordert jedoch klare Absprachen zwischen allen Beteiligten. Eine feste Planung des Tutoriums ist aufgrund der variablen Verfügbarkeit einer Leiche nicht möglich, was zu einem erhöhten organisatorischen Aufwand führt und Flexibilität sowohl vom Tutor*innen-Team als auch von den Teilnehmenden erfordert. Dieses Tutorium ermöglicht den Studierenden die zusätzliche Vertiefung ihrer Fertigkeiten in einem wichtigen Bereich ihrer zukünftigen ärztlichen Tätigkeit.
Interessenkonflikte: Die Autor*innen erklären, dass sie keine Interessenkonflikte in Zusammenhang mit diesem Artikel haben.
References
[1] Zack F, Kaden A, Riepenhausen S, Rentsch D, Kegler R, Büttner A. Fehler bei der Ausstellung der Todesbescheinigung. Eine Analyse von 10.000 Sterbefällen aus Mecklenburg. Rechtsmedizin. 2017;27(6):516-527. DOI: 10.1007/s00194-017-0193-7[2] Universitätsmedizin Göttingen. Der Göttinger Lernzielkatalog für den klinischen Studienabschnitt. Göttingen: Universitätsmedizin Göttingen; 2017. Zugänglich unter/available from: https://www.umg.eu/fileadmin/user_upload/Go__ttinger_Lernzielkatalog_Stand_19-07-2017.pdf



