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20. Internationales SkillsLab Symposium 2026


12.-14.03.2026
Mannheim

Meeting Abstract

Implementierung von Crew/Crisis Resource Management (CRM) und Human Factors in der curriculären Lehre von Medizinstudierenden

David J. Heister - Universität Tübingen, Medizinische Fakultät, Tübingen Institute for Medical Education (TIME), Tübingen, Deutschland; Universitätsklinikum Tübingen, Abteilung für Endokrinologie, Diabetologie und Nephrologie, Klinik für Innere Medizin IV, Tübingen, Deutschland; Institut für Diabetesforschung und Stoffwechselerkrankungen (IDM) des Helmholtz Zentrums München an der Universität Tübingen, Tübingen, Deutschland; Deutsches Zentrum für Diabetesforschung (DZD), Tübingen, Deutschland
Anne Herrmann-Werner - Universität Tübingen, Medizinische Fakultät, Tübingen Institute for Medical Education (TIME), Tübingen, Deutschland
Nils Heyne - Universitätsklinikum Tübingen, Abteilung für Endokrinologie, Diabetologie und Nephrologie, Klinik für Innere Medizin IV, Tübingen, Deutschland; Institut für Diabetesforschung und Stoffwechselerkrankungen (IDM) des Helmholtz Zentrums München an der Universität Tübingen, Tübingen, Deutschland; Deutsches Zentrum für Diabetesforschung (DZD), Tübingen, Deutschland
Andreas L. Birkenfeld - Universitätsklinikum Tübingen, Abteilung für Endokrinologie, Diabetologie und Nephrologie, Klinik für Innere Medizin IV, Tübingen, Deutschland; Institut für Diabetesforschung und Stoffwechselerkrankungen (IDM) des Helmholtz Zentrums München an der Universität Tübingen, Tübingen, Deutschland; Deutsches Zentrum für Diabetesforschung (DZD), Tübingen, Deutschland
Teresa Festl-Wietek - Universität Tübingen, Medizinische Fakultät, Tübingen Institute for Medical Education (TIME), Tübingen, Deutschland

Text

Hintergrund/Problemstellung: Vor über drei Jahrzehnten wurde durch Howard und Gaba die Übertragung des in der Luftfahrt bereits etablierten Crew Resource Management (CRM) auf den medizinischen Kontext mit dem Anesthesia Crisis Resource Management (ACRM) erstmals systematisch beschrieben [1]. Mit dem im Jahr 2000 publizierten Bericht To Err is Human, der die jährliche Mortalität infolge vermeidbarer medizinischer Fehler in den USA auf bis zu 98.000 Fälle schätzte, rückten Humanfaktoren und CRM-Strategien verstärkt in den Fokus der patientensicherheitsrelevanten Forschung. Obwohl der Nationale Kompetenzbasierte Lernzielkatalog Medizin 2.0 (NKLM 2.0, [https://nklm.de/zend/menu]) die Vermittlung dieser Kompetenzen explizit fordert, erfolgt deren curricular verankerte Umsetzung im Medizinstudium bislang häufig nur unzureichend. Diese Diskrepanz deutet auf Defizite in der systematischen Vorbereitung angehender Ärzt*innen im Umgang mit komplexen, sicherheitskritischen Situationen hin [2]. Wissenschaftliche Arbeiten zeigen, dass strukturiertes Training in CRM und Humanfaktoren das Risiko vermeidbarer Schadensereignisse reduziert, mit geringeren Folgekosten assoziiert ist und zu einer erhöhten Arbeitszufriedenheit im klinischen Setting beiträgt [3].

Ziele des Projekts: Ziel des Projektes ist die Implementierung eines strukturierten curricularen Ausbildungsmoduls im Medizinstudium zum Themenkomplex CRM und Humanfaktoren, um künftige nationale Unterrichtsvorgaben zu erfüllen und das Problembewusstsein für Risiken unzureichender Kommunikation sowie die Bedeutung individueller Humanfaktoren im Hinblick auf potenzielle Behandlungsfehler zu schärfen. Gleichzeitig soll die Relevanz einer effizienten inter- und intraprofessionellen Zusammenarbeit für Patient*innensicherheit und Versorgungsqualität hervorgehoben werden. Mit Beginn der Implementierung erfolgt eine systematische wissenschaftliche Evaluation des Projektes, fokussiert auf die individuelle Kompetenzentwicklung der Studierenden und deren objektivierbare Leistungsparameter im Bereich CRM und Humanfaktoren.

Methoden/Umsetzung: Geplant ist ein modularer, aufeinander aufbauender Ansatz, der Studierende schrittweise an die Thematik CRM und Humanfaktoren heranführt. Die erstmalige Vermittlung soll früh im klinischen Abschnitt, spätestens im Praktischen Jahr erfolgen, um eine frühzeitige Sensibilisierung für sicherheitsrelevante Aspekte des klinischen Alltags zu gewährleisten. Zunächst wird ein grundlegendes Verständnis für die Thematik geschaffen, bevor die Studierenden über externe Beobachtungen zur eigenständigen Anwendung übergehen. Eingesetzt werden sollen Impulsvorträge, Einzel- und Gruppenarbeiten, moderierte Diskussionen, Videoanalysen sowie abschließend Gruppensimulationstrainings mit strukturiertem Debriefing.

Ergebnisse: Die Pilotierung des Lehrprojektes soll im Q1/2026 erfolgen. Eine Vorstellung erster Zwischenergebnisse ist auf dem 20. Internationalen Skills Lab Symposium (iSLS) geplant.

Interessenkonflikte: Die Autor*innen erklären, dass sie keine Interessenkonflikte in Zusammenhang mit diesem Artikel haben.


References

[1] Howard SK, Gaba DM, Fish KJ, Yang G, Sarnquist FH. Anesthesia crisis resource management training: teaching anesthesiologists to handle critical incidents. Aviat Space Environ Med. 1992;63(9):763-770.
[2] Doumouras AG, Engels PT. Early crisis nontechnical skill teaching in residency leads to long-term skill retention and improved performance during crises: A prospective, nonrandomized controlled study. Surgery. 2017;162(1):174-181. DOI: 10.1016/j.surg.2016.11.022
[3] Moffatt-Bruce SD, Hefner JL, Mekhjian H, McAlearney JS, Latimer T, Ellison C, Scheck McAlearney A. What Is the Return on Investment for Implementation of a Crew Resource Management Program at an Academic Medical Center? Am J Med Qual. 2017;32(1):5-11. DOI: 10.1177/1062860615608938