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German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Das männliche Geschlecht als Risikofaktor in der Infekttherapie? Eine Registerstudie des EPRD

Martin Resl - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie, Berlin, Deutschland
Luis Becker - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie, Berlin, Deutschland
Carsten Perka - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie, Berlin, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Ziel dieser Studie ist es, geschlechtsspezifische Unterschiede in der Häufigkeit septischer und aseptischer Re-Revisionsraten sowie in der Mortalität anhand von Registerdaten zu untersuchen und weitere patientenspezifische Einflussfaktoren zu identifzieren.

Material und Methoden: Beobachtende Kohortenstudie unter Verwendung von Daten des Deutschen Endoprothesenregisters (EPRD). Insgesamt wurden 14.306 RTHA eingeschlossen, davon 12.331 erstmalige RTHA und 1.975 zweizeitige RTHA über einen Nachbeobachtungszeitraum von sechs Jahren analysiert. Kaplan-Meier-Schätzer wurden zur Bestimmung der Re-Revisionsrate und der kumulativen Mortalitätswahrscheinlichkeit nach RTHA verwendet. Multivariable Cox-Proportional-Hazards-Modelle wurden eingesetzt, um Unterschiede in der Verteilung zu prüfen. In diese Modelle wurden Geschlecht, Alter, BMI-Kategorie und der Elixhauser-Komorbiditätsindex-Score (ECIS) als Kovariablen aufgenommen, um adjustierte Hazard Ratios mit entsprechenden 95%-Konfidenzintervallen zu berechnen.

Ergebnisse: Betrachtet man alle Revisionen zusammen, wurden weibliche Patientinnen signifikant seltener aufgrund einer Infektion revidiert (31% vs. 41% bei erstmaliger RTHA; 56% vs. 66% bei zweizeitiger RTHA; p=0,001). Allerdings zeigten weibliche Patientinnen im ersten Jahr nach septischer Revision höhere Re-Revisionsraten (27,7% vs. 24,7%; p=0,22). Diese Unterschiede in der Re-Revisionsrate waren jedoch nicht auf Geschlecht oder Alter zurückzuführen (männlich: HR = 0,94; p=0,3; Alter: HR = 1,00; p=0,14), sondern vielmehr auf Komorbiditäten und Körpergewicht (ECIS ≥5: HR = 1,55; p<0,001; BMI ≥40: HR = 1,38; p=0,010). Demgegenüber war das männliche Geschlecht signifikant mit einer nahezu 1,5-fach erhöhten Mortalität assoziiert (männlich: HR = 1,49; p<0,001). Untergewicht (BMI <18,5) zeigte eine noch stärkere statistisch signifikante Assoziation mit der Mortalität (HR = 2,28; p<0,001). Leichtes Übergewicht hatte hingegen einen signifikant protektiven Effekt auf die Mortalität (BMI 25,0–29,99: HR = 0,80; p=0,035; BMI 30,0–34,99: HR = 0,74; p=0,017).

Diskussion und Schlussfolgerung: Geschlechtsspezifische Unterschiede bei der RTHA sind ergebnisabhängig. Während das Geschlecht keinen unabhängigen Einfluss auf das Risiko einer Re-Revision hat, ist das männliche Geschlecht ein starker Prädiktor für Mortalität, insbesondere nach erstmaligen und septischen Revisionen. Die Re-Revisionsrate wird primär durch Komorbiditäten und Adipositas bestimmt, wohingegen die Mortalität vor allem durch Alter, Komorbiditätslast und niedriges Körpergewicht beeinflusst wird. Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Unterschiede sowie einer multifaktoriellen Risikostratifizierung zur Optimierung des perioperativen Managements und der Langzeitergebnisse nach RTHA. Die Integration geschlechtsspezifischer Risikoprofile in die präoperative Beurteilung und das perioperative Management könnte einen entscheidenden Schritt zur Verbesserung des Überlebens nach RTHA darstellen.