German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Schmerzmittel im Sport
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Sowohl im Freizeit- als auch im Leistungssport greifen Sportler zunehmend zu Analgetika. Obwohl Analgetika nicht zu den klassischen Dopingmitteln zählen kann der übermäßige und nicht indizierte Konsum von Analgetika jedoch signifikante gesundheitliche Risiken bergen. Ziel der vorliegenden Studie ist es, den Schmerzmittelkonsum im Zusammenhang mit sportlicher Aktivität zu untersuchen und mögliche Zusammenhänge mit soziodemografischen, sportbezogenen sowie einstellungsbezogenen Faktoren zu analysieren.
Material und Methoden: In die Studie konnten 529 Sportler eingeschlossen werden. Es wurden alle Sportler jeglicher Sportart und Leistungsniveaus in die Studie eingeschlossen, die den Fragebogen vollständig ausgefüllt haben. Alle Daten wurden anschließend statistisch analysiert.
Ergebnisse: Von den 529 eingeschlossen Sportlern waren 292 (55,2%) weiblich, 234 (22,2%) männlich und 3 (0,6%) divers. Die meisten Probanden waren in der Altersklasse 21–30 Jahre (226, 42,7%). 246 (46,5%) Sportler gaben an 6–10 Stunden in der Woche sportlich aktiv zu sein. Die Mehrheit der Studienpopulation (361, 68,2%) ist im Vereinssport aktiv. Der Anteil an Profisportlern im Kollektiv beträgt 12,7% (67). Fußball (121; 22,9%) ist die am häufigsten vertretene Sportart, gefolgt von Handball (77; 14,6%). Ibuprofen war mit großem Abstand das am häufigsten verwendete Schmerzmittel (224; 92,2%). Schmerzmittel in Zusammenhang mit einer sportlichen Aktivität haben 243 (45,9%) der 529 Studienteilnehmer eingenommen. Den höchsten Schmerzmittelkonsum zeigt die Alterskategorie der 21–40-Jährigen. Ein signifikanter Zusammenhang konnte zwischen Alter und Schmerzmittelkonsum festgestellt werden (p<0,001). Vereinssportler sowie Mannschaftssportler konsumieren signifikant häufiger Schmerzmittel als Freizeit- (p=0,008) bzw. Einzelsportler (p=0,002). Für die Sportart Badminton besteht eine 4-fach (OR=3,99; 95%-KI [1,10-14,41]) und für die Sportdisziplin Fitnessstudio/Workouts eine 4,8-fach (OR=4,81; 95%-KI [1,27-18,17]) höhere Wahrscheinlichkeit kein Schmerzmittel zu konsumieren.
Diskussion und Schlussfolgerung: Die vorliegende Studie verdeutlicht, dass Schmerzmittel im Sport häufig nicht ausschließlich medizinisch indiziert, sondern leistungsbezogen funktional eingesetzt werden. Die Ergebnisse zeigen, dass Schmerzmittelkonsum im Breiten- und Wettkampf-Sport weit verbreitet ist und in mehreren Bereichen statistisch signifikant mit Alter, Sportart, Trainingsumfang und Art der Sportausübung assoziiert ist. Der teilweise leistungsbezogene Einsatz von Analgetika sowie die unzureichende ärztliche Aufklärung stellen potenzielle Gesundheitsrisiken dar. Vor dem Hintergrund sportmedizinischer, sportpsychologischer und sportethischer Theorien unterstreichen die Ergebnisse die Notwendigkeit systematischer Aufklärung, präventiver Maßnahmen und Aufklärungsprogramme für Sportler sowie für betreuende Trainer und medizinisches Personal, um einen verantwortungsvollen Umgang mit Schmerzmitteln im sportlichen Kontext zu fördern.



