German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Time to Positivity als prognostischer Marker bei periprothetischer Gelenkinfektion: Eine retrospektive Kohortenstudie
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Die Time to Positivity (TTP) mikrobiologischer Kulturen hat sich als potenzieller Surrogatmarker für die bakterielle Last und Virulenz etabliert. Obwohl die TTP in modernen mikrobiologischen Routinelaboren standardmäßig verfügbar ist, ist ihr prognostischer Stellenwert bei periprothetischen Gelenkinfektionen (PJI) bislang unzureichend untersucht. Ziel dieser multizentrischen Studie war es, den Zusammenhang zwischen der TTP und klinischen Ergebnissen nach zweizeitigem Prothesenwechsel bei chronischer PJI der Hüfte und des Knies zu untersuchen.
Material und Methoden: Es wurde eine retrospektive Kohortenstudie mit Patientinnen und Patienten durchgeführt, die zwischen 2019 und 2023 aufgrund einer chronischen PJI behandelt wurden. Einschlusskriterien waren eine bestätigte PJI gemäß EBJIS-Kriterien, mindestens eine positive intraoperative mikrobiologische Kultur sowie eine klinische Nachbeobachtungszeit von mindestens 12 Monaten. Die TTP wurde definiert als das Zeitintervall (in Stunden) zwischen der Inokulation periprothetischer Proben und der automatisierten Detektion mikrobiellen Wachstums. Erhobene klinische Variablen umfassten den Erregernachweis, CRP-Werte, Reinfektionsraten sowie patientenberichtete Ergebnismaße (PROMs). Die Patientinnen und Patienten wurden in drei Gruppen stratifiziert: TTP < 24 h (schnell), 24–48 h (intermediär) und > 48 h (verzögert).
Ergebnisse: Insgesamt wurden 246 Patientinnen und Patienten analysiert (156 Hüft- und 90 Knie-PJIs). Eine schnelle TTP (< 24 h) war signifikant mit hochvirulenten Erregern wie Staphylococcus aureus und gramnegativen Stäbchen assoziiert (p < 0,001) und korrelierte mit höheren Reinfektionsraten (18,2% vs. 7,1% bei TTP > 48 h; p = 0,02). Zudem wiesen diese Patientinnen und Patienten ein Jahr nach Reimplantation signifikant schlechtere PROMs auf. Demgegenüber waren verzögerte TTP-Werte (> 48 h) überwiegend mit niedrigvirulenten Erregern assoziiert und gingen mit besseren funktionellen Ergebnissen sowie höheren infektfreien Überlebensraten einher.
Diskussion und Schlussfolgerung: Die TTP stellt einen praktikablen und früh verfügbaren prognostischen Marker für Erregervirulenz und Therapieergebnisse bei PJI dar. Ihre Integration in die klinische Risikostratifizierung könnte eine individualisierte Entscheidungsfindung unterstützen, insbesondere im Hinblick auf die Dauer der antibiotischen Therapie und die operative Behandlungsstrategie.



