German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Einfluss von Difficult-to-treat-Erregern auf das Outcome periprothetischer Infektionen
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Periprothetische Infektionen (periprosthetic joint infections, PJI) sind eine schwerwiegende Komplikation der Endoprothetik. Als „Difficult-to-treat“ (DTT) werden Erreger bezeichnet, für die keine wirksamen biofilmaktiven Antibiotika verfügbar sind.Auch wenn für DTT-PJI insgesamt schlechtere Outcomes erwartet werden, ist die Datenlage zur Auswirkung von DTT-Erregern auf den Therapieerfolg begrenzt. Daher soll in dieser Studie der Zusammenhang zwischen dem Nachweis eines DTT-Erregers bei PJI und dem Therapieerfolg untersucht werden.
Material und Methoden: Insgesamt wurden 176 PatientInnen eingeschlossen, die zwischen 01/2022 und 12/2024 prospektiv in ein klinikeigenes PJI-Register eines Endoprothetikzentrums der Maximalversorgung, aufgrund einer PJI der Hüfte oder des Knies inkludiert wurden. Die Diagnose einer PJI wurde gemäß den Kriterien der European Bone and Joint Infection Society (EBJIS) gestellt. Ausschlusskriterium war eine Nachbeobachtungszeit unter einem Jahr, es sei denn, es kam bereits zuvor zum Therapieversagen oder zum PJI-assoziierten Tod. Als DTT-Erreger wurden Rifampicin-resistente Staphylokokken, Chinolon-resistente gramnegative Erreger, Streptokokken, Enterokokken und Pilze gewertet. Diese mussten in mindestens 2 Proben mit identischem Resistogramm nachgewiesen werden. Der Therapieerfolg wurde nach Fillingham et al. (2019) eingeteilt und die Tiers 1, 3A, 3C und 4B als Erfolg gewertet. Die statistische Analyse umfasste deskriptive Statistiken sowie Gruppenvergleiche zwischen DTT- und Non-DTT-PJI mittels Kreuztabellen und Chi-Quadrat-Tests. Zur Quantifizierung des Effekts wurde eine Odds-Ratio mit 95%-Konfidenzintervall (95%-KI) berechnet.
Ergebnisse: Von den 176 eingeschlossenen Fällen (mittlere Follow-up-Dauer 19,2 Monate) hatten 49 (27,8%) eine Infektion mit DTT-Erregern. In der DTT-Gruppe kam es zu einem Therapieversagen bei 73,5%, in der Non-DTT-Gruppe bei 33,9% (p < 0,001). Der Nachweis eines DTT-Erregers war mit einer deutlich geringeren Erfolgsrate (Odds Ratio 0,19; 95%-KI 0,09-0,39) assoziiert. Von allen DTT-Gruppen wies die Enterokokken-Infektion das schlechteste Outcome auf. Alle 11 PatientInnen erlitten ein Therapieversagen. Zudem war die mittlere Anzahl septischer Interims-OPs bei PJI durch DTT-Erreger höher [1,67 (95%-KI 1,15-2,19) vs. 1,00 (95%-KI 0,79-1,21) p = 0,019]. Beim Vergleich zwischen DAIR und zweizeitigem Wechsel innerhalb der DTT-PJI-Gruppe zeigte sich eine höhere Versagensrate für DAIR (77,3% vs. 57,1%), was jedoch nicht statistisch signifikant war (p=0,201).
Diskussion und Schlussfolgerung: In der untersuchten Kohorte zeigte sich- unter Verwendung der Fillingham-Kriterien- ein signifikant höheres Therapieversagen bei DTT-PJI, was die klinische Relevanz unterstreicht. Eine frühzeitige Identifikation von DTT-Erregern sowie eine angepasste operative und antimikrobielle Therapie sind essenziell, um Behandlungsergebnisse zu optimieren.



