German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Sekundäre dorsale Schulterinstabilität nach arthroskopischer LHB-Tenodese bei Overhead-Athletin – ein Fallbericht mit Literaturübersicht
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Die operative Therapie von SLAP-Läsionen hat sich in den letzten Jahren zunehmend vom SLAP-Repair zur Tenodese der langen Bizepssehne (LHB) verschoben. Insbesondere bei Wurf- und Überkopfsportler:innen bestehen jedoch weiterhin kontroverse Empfehlungen hinsichtlich Indikation, Return-to-Sport und funktioneller Konsequenzen. Die stabilisierende Funktion des Bizeps-Labrum-Komplexes im Glenohumeralgelenk könnte in dieser Patientengruppe durch eine Tenodese beeinträchtigt werden.
Material und Methoden: Es erfolgte eine retrospektive Analyse eines klinischen Einzelfalls einer Overhead-Athletin mit persistierenden Beschwerden und sekundärer dorsaler Schulterinstabilität nach arthroskopischer Tenodese der langen Bizepssehne (LHB). Die klinischen, bildgebenden und funktionellen Befunde wurden systematisch ausgewertet. Ergänzend wurde eine narrative Literaturrecherche zur biomechanischen und klinischen Evidenz hinsichtlich eines potenziellen Einflusses der LHB-Tenodese auf die glenohumerale Stabilität durchgeführt.
Ergebnisse: Vorgestellt wird eine sportlich aktive Tennisspielerin (Jg. 1998) bei der aufgrund einer SLAP-assoziierten Pathologie eine arthroskopische LHB-Tenodese durchgeführt wurde. Postoperativ erfolgten regelrechte Wundheilung und standardisierte Rehabilitation. Es bestanden weiterhin belastungsabhängige Schmerzen sowie eine progrediente subjektive Instabilität bei Overhead-Aktivitäten wie Tennisaufschlag und Schulterdrücken. Eine MRT-Kontrolle zeigte keinen richtungsweisenden strukturellen Befund. In der erweiterten funktionellen Diagnostik zeigten sich eine ausgeprägte Skapuladyskinesie sowie eine dorsale Schulterinstabilität, die präoperativ nicht bestand. Das Therapiekonzept wurde daraufhin grundlegend angepasst mit Fokus auf Wiederherstellung der Skapulastabilität, neuromuskulärer Kontrolle und sportartspezifischer propriozeptiver Rehabilitation. Ergänzend wird der Einsatz eines Schulter-Schrittmachers zur gezielten Aktivierung der Skapulastabilisatoren evaluiert.Biomechanische Studien beschreiben die LHB als dynamischen Stabilisator des Glenohumeralgelenks mit Reduktion der Humeruskopftranslation und Belastungsabsorption in Wurfpositionen. Klinische Arbeiten zeigen gleichzeitig eine zunehmende Anwendung der Tenodese bei fehlendem Konsens und variablen Return-to-Sport-Raten bei Überkopfsportler:innen.
Diskussion und Schlussfolgerung: Der Fall illustriert, dass eine LHB-Tenodese bei Wurf- und Überkopfsportler:innen potenziell zu einer sekundären dorsalen Schulterinstabilität führen kann. Ein unkritischer Einsatz der Tenodese sollte daher vermieden und in geeigneten Fällen ein SLAP-Repair mit Erhalt des intraartikulären Anteils der LHB erwogen werden.



