German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Vergleichende Analyse von Handphlegmonen bei immunsupprimierten und nicht immunsupprimierten Patienten – Abstract
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Handphlegmonen sind rasch progrediente bakterielle Weichteilinfektionen, die die Funktion der Hand sowie die allgemeine Gesundheit gefährden. Klinischer Verlauf, Erregerspektrum und therapeutische Erfordernisse können sich zwischen immunsupprimierten und immunkompetenten Patienten unterscheiden. Es wird angenommen, dass sich immunsupprimierte Personen atypisch präsentieren und ein höheres Risiko für polymikrobielle oder opportunistische Infektionen haben, während immunkompetente Patienten häufiger Infektionen durch typische Hautflora nach Bagatelltraumata entwickeln.
Material und Methoden: In dieser retrospektiven Single-Center-Studie wurden 49 Patienten analysiert, die über einen Zeitraum von drei Jahren chirurgisch wegen einer Handphlegmone behandelt wurden, darunter 11 immunsupprimierte und 38 nicht immunsupprimierte Patienten. Erhobene Daten umfassten Demografie, Verletzungsmechanismus, klinische und laborchemische Befunde, mikrobiologische Kulturen, antibiotische Therapie sowie den operativen Verlauf.
Ergebnisse: Das mittlere Patientenalter betrug 45,6 ± 22,5 Jahre; 31 Patienten waren männlich. Die durchschnittliche Krankenhausverweildauer lag bei 15 Tagen, mit im Mittel 1,88 operativen Eingriffen pro Patient. Bissverletzungen und Schürfwunden waren die häufigsten Ursachen; 36 Kulturen blieben ohne Keimnachweis. Identifizierte Erreger umfassten Staphylococcus aureus, Streptococcus-Spezies, MRSA und Pasteurella-Spezies. Immunsupprimierte Patienten hatten signifikant kürzere Krankenhausaufenthalte und benötigten weniger operative Eingriffe, während sich Entzündungsparameter, Sepsisraten und die Gesamtdauer der Antibiotikatherapie zwischen den Gruppen nicht signifikant unterschieden.
Diskussion und Schlussfolgerung: Handphlegmonen zeigen eine heterogene Ätiologie und unterschiedliche Anforderungen an das Management. Immunsupprimierte Patienten erleiden nicht zwangsläufig schwerere Verläufe, profitieren jedoch von einer frühzeitigen Diagnosestellung sowie einer individualisierten chirurgischen und antibiotischen Therapie. Ein rasches Eingreifen bleibt entscheidend, um die Handfunktion zu erhalten und die Behandlungsergebnisse zu optimieren.



