Logo

German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Stellenwert des Fixateur externe in der Therapie geschlossener instabiler Sprunggelenksluxationsfrakturen

Margrethe Wendt - Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie, Universitätsklinikum Leipzig, Leipzig, Deutschland
Mareike Hennings - Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie, Universitätsklinikum Leipzig, Leipzig, Deutschland
Dmitry Notov - Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie, Universitätsklinikum Leipzig, Leipzig, Deutschland
Firas Souleiman - Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie, Universitätsklinikum Leipzig, Leipzig, Deutschland
Christian Kleber - Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie, Universitätsklinikum Leipzig, Leipzig, Deutschland
Robert Hennings - Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie, Universitätsklinikum Leipzig, Leipzig, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Der temporäre Fixateur externe (FxE) ermöglicht in der Therapie instabiler Sprunggelenksfrakturen eine weichteilschonende Stabilisierung mit Wiederherstellung von Achse, Länge und Gelenkkongruenz und dient der Weichteilkonsolidierung bis zur definitiven Osteosynthese. Dies ist jedoch mit längeren Krankenhausaufenthalten, höheren Kosten und einer zusätzlichen Operation für den Patienten verbunden. Die Indikation zur primären temporären Stabilisierung mittels FxE bei geschlossenen instabilen Sprunggelenksfrakturen wird häufig anhand des Weichteilstatus und der Subluxationsstellung im Gips gestellt. Objektivierbare Entscheidungskriterien fehlen bislang. Ziel dieser Analyse ist es, den prognostischen Wert der Taluslateralisation (TL) im Trauma- und Gipsröntgenbild hinsichtlich postoperativer Weichteilkomplikationen zu untersuchen und einen klinisch praktikablen Schwellenwert zur Indikationsstellung zu identifizieren.

Material und Methoden: In dieser retrospektiven Studie wurden 103 konsekutive Patienten mit AO-44-Frakturen und initialer FxE-Anlage (FxE-Gruppe) mit einer gematchten Kontrollgruppe (Alter, Geschlecht, Frakturtyp nach AO) ohne FxE (Gips-Gruppe) verglichen. Primärer Endpunkt war das Auftreten postoperativer weichteiliger Komplikationen und implantatassoziierter Infektionen innerhalb von sechs Monaten. Der Weichteilschaden wurde nach Tscherne und Oestern klassifiziert. Der Luxationsgrad wurde anhand der TL in mm im Trauma- und im Gips-Röntgenbild unmittelbar nach geschlossener Reposition bestimmt. Statistisch wurden t/U-Tests durchgeführt, Signifikanzniveau von p≤0,05.

Ergebnisse: Insgesamt erlitten 36 Patienten (17%) eine weichteilige Komplikation. Ein hoher Luxationsgrad im Trauma-Röntgenbild war nicht mit einer höheren Komplikationsrate assoziiert (50% sowie 75% Quartil für TL). Demgegenüber war in der Gips-Gruppe eine persistierende TL >4,4mm (=50% Quartil für TL-Werte) mit einer signifikant erhöhten Komplikationsrate assoziiert (p≤0,05). Dieser Zusammenhang bestand in der FxE-Gruppe nicht (p>0,05). Obwohl in der FxE-Gruppe signifikant häufiger höhergradige Weichteilschäden (≥2°) vorlagen (p≤0,05), zeigte sich hier keine erhöhte Komplikationsrate (p=0,229). Geriatrische Patienten zeigten insgesamt ein signifikant erhöhtes Komplikationsrisiko, ohne Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen (p>0,05).

Diskussion und Schlussfolgerung: Ein wesentlicher Befund der Studie ist, dass nicht der initiale Dislokationsgrad zum Unfallzeitpunkt prognostisch relevant war, sondern vielmehr die Residualsubluxation nach Reposition und Ruhigstellung im Gips. Eine Taluslateralisation >4,4 mm kann als klinisch praktikabler radiologischer Schwellenwert für die Indikation zur FxE-Stabilisierung bei geschlossenen Sprunggelenksfrakturen mit einem Weichteilschaden ≤ 1° angesehen werden. Die tendenziell niedrigere Komplikationsrate in der FxE-Gruppe trotz höhergradiger initialer Weichteilschäden spricht für einen potenziell protektiven Effekt der frühzeitigen externen Stabilisierung bei Weichteilschaden ≥ 2°.