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German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Wie bindend sollten die Therapieempfehlungen aus der FFP-Klassifikation betrachtet werden?

Svenja Kaiser - Universitätsspital Basel, Basel, Schweiz
Tobias Bayer - Universitätsspital Basel, Basel, Schweiz
Janosch Funk - Universitätsspital Basel, Basel, Schweiz
Olivia Baur - Universitätsspital Basel, Basel, Schweiz
Norbert Suhm - Universitätsspital Basel, Basel, Schweiz
Alexander Egger - Universitätsspital Basel, Basel, Schweiz

Text

Zielsetzung und Fragestellung: 2013 publizierten Rommens und Hofmann die Fragility Fractures of the Pelvis (FFP)-Klassifikation. Diese leitet aus dem Frakturmuster von Beckenbrüchen bei betagten Patienten Therapieempfehlungen ab: FFP I konservativ, FFP III–IV primär operativ. Nur bei FFP II Frakturen wird ein Therapiewechsel von primär konservativ zu operativ als Möglichkeit beschrieben. Im klinischen Alltag erfolgen Therapieentscheidungen oft individualisiert, sodass der gewählte Behandlungspfad nicht immer den Klassifikationsempfehlungen entspricht. Sind diese Abweichungen mit einem schlechteren Outcome assoziiert?

Material und Methoden: Um diese Frage zu beantworten analysierten wir eine Kohorte von Patienten, die von 2022 bis 2025 wegen einer FFP I-IV Fraktur in unserer Klinik behandelt wurden. Erfasst wurden demografische und fraktur-spezifische Daten. Innerhalb der FFP-Klassen gelten folgende Therapien als klassifikationskonform: konservativ bei FFP I, primär operativ bei FFP III und IV sowie konservativ oder sekundär operativ bei FFP II. Alle anderen Behandlungsstrategien werden als nicht klassifikationskonform betrachtet. Als primäre Endpunkte wurden die Outcome Parameter 6-Monats-Mortalität und Veränderung der Wohnsituation definiert.

Ergebnisse: In dieser Analyse wurden 150 Patienten (FFP I: 7%, FFP II: 46%, FFP III: 15%, FFP IV: 32%) eingeschlossen. Über alle FFP-Kategorien hinweg zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen klassifikationskonformer und nichtkonformer Therapie, weder betreffend die 6-Monats Mortalität noch für die Veränderung der Wohnsituation (alle p > 0.05). Kein Patient mit FFP I wurde primär operativ behandelt, sodass in dieser Klasse nur Zahlenwerte für die sekundär operative Therapie als „nicht klassifikationskonform“ aufgeführt sind.

Diskussion und Schlussfolgerung: In dieser Kohorte war eine von den Klassifikationsempfehlungen abweichende Behandlungsstrategie weder mit einer statistisch signifikant erhöhten 6-Monats-Mortalität noch mit einer ungünstigeren Veränderung der Wohnsituation assoziiert. Das spricht für die von uns geübte Praxis einer individuellen Therapieentscheidung. Diese Ergebnisse sind allerdings mit Vorsicht zu interpretieren, da das hohe Durchschnittsalter der Patienten mit einer Lost-to-follow-up-Rate von ca. 25% einhergeht. Der Fokus der Analyse lag auf objektiv erfassbaren Endpunkten; Patient reported Outcomes wie etwa Schmerz oder Mobilität sowie Gründe für Abweichungen von der klassifikationskonformen Therapie konnten retrospektiv nicht zuverlässig genug erfasst werden.