German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Fisetin als biologischer Therapieansatz zur Optimierung der Rotatorenmanschettenrekonstruktion im Alter
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Mit zunehmendem Alter ist die Sehnenheilung nach Rotatorenmanschettenrekonstruktion (RCT) eingeschränkt, was mit hohen strukturellen Versagensraten einhergeht. Die Akkumulation seneszenter Zellen und deren seneszenzassoziierter sekretorischer Phänotyp (SASP) werden als wesentliche Mechanismen der altersbedingten Gewebedegeneration angesehen. Fisetin, ein natürlich vorkommendes senolytisches Flavonoid, zeigte in präklinischen Modellen anti-aging- und gewebeheilungsfördernde Effekte. Ziel dieser Studie war es, den Einfluss von Fisetin auf die Sehnenheilung nach operativer Versorgung chronischer Rotatorenmanschettenrupturen in einem gealterten Schafmodell zu untersuchen.
Material und Methoden: Chronische Rupturen der Infraspinatussehne wurden bei älteren Schafen chirurgisch induziert und nach sechs Wochen mittels Double-Row-Technik in Kombination mit einer Knochenmarkstimulation refixiert. Die Tiere wurden randomisiert entweder einer alleinigen operativen Versorgung (Kontrollgruppe) oder einer operativen Versorgung mit zusätzlicher intravenöser Fisetin-Therapie zugeteilt. Acht Wochen nach der Refixation erfolgte die Beurteilung der Sehnenheilung mittels nicht-destruktiver biomechanischer Testung, histologischer Analyse, quantitativer PCR der reparierten Sehne sowie Genexpressionsanalysen peripherer mononukleärer Blutzellen (PBMCs).
Ergebnisse: Die Fisetin-Behandlung führte zu einer signifikanten Reduktion der prozentualen Stressrelaxation der refixierten Sehne im Vergleich zur Kontrollgruppe. Für Maximallast, maximale Spannung und Gleichgewichtsparameter zeigten sich keine signifikanten Unterschiede. Histologisch zeigte sich eine vergleichbare Biokompatibilität beider Gruppen mit einem Trend zu erhöhter Tenocytenaktivität in der Fisetin-Gruppe. Auf molekularer Ebene war die Fisetin-Behandlung mit einer signifikant erhöhten Expression von Tenascin C (TNC) und p53 sowie mit einem abnehmenden Trend der fibroseassoziierten COL3A1-Expression in der reparierten Sehne assoziiert. In PBMCs zeigte sich eine Reduktion seneszenzassoziierter Gene und SASP-Faktoren mit erniedrigter IL-8- und erhöhter IL-10-Expression, was auf eine verminderte systemische Inflammation hinweist.
Diskussion und Schlussfolgerung: Die adjuvante Behandlung mit Fisetin verbesserte die biomechanischen Eigenschaften der refixierten Sehne und beeinflusste die Matrixremodellierung sowie inflammatorische Signalwege nach Rotatorenmanschettenrekonstruktion im gealterten Schafmodell positiv. Fisetin stellt somit einen vielversprechenden biologischen Therapieansatz zur Verbesserung der Rotatorenmanschettenheilung bei älteren Patienten dar.



