German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Einfluss der Bizepssehnentenodese auf das klinische Outcome nach winkelstabiler Plattenosteosynthese proximaler Humerusfrakturen: Eine prospektiv randomisierte Studie
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Zielsetzung und Fragestellung: Bei der winkelstabilen Plattenosteosynthese proximaler Humerusfrakturen ist die klinische Relevanz einer begleitenden Versorgung der langen Bizepssehne (LBS) bislang unklar. Ziel dieser prospektiv randomisierten Studie war es zu untersuchen, ob eine pektorale Tenodese der LBS im Vergleich zu keiner LBS-Behandlung das klinische Outcome verbessert.
Material und Methoden: In diese monozentrische, prospektiv randomisierte Studie wurden 34 Patientinnen und Patienten mit proximaler Humerusfraktur eingeschlossen, die mittels winkelstabiler Plattenosteosynthese (Philos 3-Loch, DepuySynthes) versorgt wurden. Die Interventionsgruppe [A, n=17] erhielt zusätzlich eine Tenotomie mit pektoraler LBS-Tenodese (Nahtfixation), die Kontrollgruppe [B, n=17] keine LBS-Behandlung.Primärer Endpunkt: Isometrische Beugekraft (M. biceps brachii, 90° Ellbogenflexion) als Kraftdifferenz operierte vs. Gegenseite. Sekundäre Endpunkte: Constant Score (CS), Oxford Shoulder Score (OSS), Oxford Elbow Score (OES), aktiver Bewegungsumfang. Follow-up: 6 Wochen, 3/6/12 Monate. Fallzahlsberechnung: ≥15% Kraftdifferenz (α=0,05; Power=0,8). Statistik: RM-ANOVA für Verläufe, Mann-Whitney-U-/t-Tests für Querschnitte.
Ergebnisse: Alter und Geschlecht von [A] vs. [B] waren nicht signifikant unterschiedlich. Beide Gruppen zeigten über den Beobachtungszeitraum eine signifikante Verbesserung der Beugekraft der operierten Schulter im Vergleich zur Gegenseite (Verbesserung des Kraftdeltas in [A] um 87,6% und in [B] um 61,7%). Früh postoperativ zeigte [A] eine signifikant größere Kraftdifferenz zur Gegenseite, die sich im weiteren Verlauf jedoch anglich. Funktionelle Scores verbesserten sich signifikant ohne konsistente Gruppenunterschiede (6Wo: OSS [A] 18,1±7,9 vs. [B] 21,6±10,3 p=0,282; OES [A] 42,5±10,4 vs. [B] 46,7±3,5 p=0,171; CS [A] 22,6±8,0 vs. [B] 27,9±12,7 p=0,175 | 12Mo: OSS [A] 41,2±5,4 vs. [B] 44,2±6,5 p=0,063; OES [A] 47,7±1,2 vs. [B] 47,8±0,5 p=0,600; CS [A] 58,9±13,6 vs. [B] 71,2±16,3 p=0,023). Die Subgruppenanalyse nach AO-Frakturklassifikation (Typen B und C) zeigte signifikante Verbesserungen im zeitlichen Verlauf mit großen Effektstärken (RM-ANOVA η²=0,223–0,826). Die Tenodese-Gruppe [A] wies in 7 von 9 untersuchten Parametern (Flexion, Extension, Abduktion, Innenrotation, Kraft und OSS) günstigere Verläufe sowie Hinweise auf eine schnellere funktionelle Erholung auf. Signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen bestanden jedoch nach 12 Monaten nicht (alle p>0,05).
Diskussion und Schlussfolgerung: Eine routinemäßige Tenodese der langen Bizepssehne zeigte keinen signifikanten Vorteil im Rahmen der winkelstabilen Plattenosteosynthese proximaler Humerusfrakturen. Beide Gruppen erreichten vergleichbare funktionelle Verbesserungen im Beobachtungszeitraum. Subgruppenanalysen deuteten auf mögliche Vorteile bei komplexeren Frakturen hin. Die Indikation zur Tenodese sollte daher individuell anhand der intraoperativen Beurteilung der Sehnenintegrität und Frakturmorphologie gestellt werden.



