German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Spinopelvine Morphologie als Prädiktor für radiologisches und klinisches Ergebnis nach thorakolumbalen Frakturen: Eine prospektive Ein-Jahres-Analyse
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Im Rahmen von degenerativen Wirbelsäulenerkrankungen gelten spinopelvine Parameter sowie die individuelle sagittale Wirbelsäulenmorphologie als relevante Einflussfaktoren für das Risiko von sekundären Dislokationen sowie das klinische Outcome. Für Frakturen ist der Zusammenhang zwischen sagittaler Balance und Repositionsverlust nicht hinreichend untersucht. Ziel der vorliegenden Studie ist es daher, Häufigkeit und Ausmaß der Nachsinterung nach operativer Behandlung thorakolumbaler Frakturen in Abhängigkeit von präoperativ erhobenen spinopelvinen Parametern zu analysieren und potenzielle Risikofaktoren für den sekundären Korrekturverlust zu identifzieren.
Material und Methoden: In diese prospektive Studie wurden 30 Patient:innen (mittleres Alter: 58 Jahre; mittlere Körpergröße: 168 cm; mittleres Körpergewicht: 87 kg; Frakturtyp A 77%, Typ B 23% nach AO) mit traumatischen thorakolumbalen Wirbelkörperfrakturen eingeschlossen, die konservativ oder operativ behandelt wurden. Die spinopelvinen Parameter - Pelvic Incidence (PI), Pelvic Tilt (PT), Sacral Slope (SS), lumbale Lordose (LL), sagittale vertikale Achse (SVA) sowie der laterale bisegmentale Grund- und Deckplattenwinkel – wurden anhand von standardisierten Ganzwirbelsäulenröntgenaufnahmen erhoben. Radiologische und klinischen Verlaufkontrollen erfolgten unmittelbar nach Diagnosestellung bzw. postoperativ sowie nach 6 Wochen, 3 Monaten und 12 Monaten. Als primärer radiologischer Endpunkt zur Quantifizierung der Nachsinterung wurde die zeitliche Veränderung des bisegmentalen Grund-/Deckplattenwinkels definiert. Zur Erfassung der funktionellen Einschränkungen wurde der Oswestry Disability Index (ODI) erhoben.
Ergebnisse: Die mittlere Veränderung des bisegmentalen Grund-/Deckplattenwinkels betrug nach 12 Monaten -3,7° (SD: ±4,5°). Zwischen dem Ausmaß der Nachsinterung und dem Oswestry Disability Index konnte keine signifikante Korrelation nachgewiesen werden (Korrelationskoeffizient R2=0,05). Es zeigte sich eine schwach negative Korrelation (R2=0,18) zwischen der sagittal vertikalen Achse (SVA) und dem bisegmentalen Grund-/Deckplattenwinkel. Zwischen Pelvic Tilt und ODI bestand eine schwach positive Korrelation. Der mittlere ODI betrug nach 12 Monaten 16% (SD: ±14%) und zeigte damit eine deutliche Verbesserung im Vergleich zu 38% (SD: ±24%) 6 Wochen postoperativ.
Diskussion und Schlussfolgerung: Die Ergebnisse unserer Studie zeigen, dass eine moderate Nachsinterung von durchschnittlich −3,7° nach einem Jahr nicht mit einem klinisch relevanten Funktionsdefizit assoziiert war. Ein erhöhter Pelvic Tilt war hingegen mit einer stärkeren funktionellen Einschränkung verbunden, wenngleich die Korrelation schwach ausgeprägt war (R² =0,14). Klinisch zeigte sich eine deutliche Verbesserung des ODI im Jahresverlauf, das prätraumatische Funktionsniveau wurde jedoch nicht vollständig erreicht. Nach Therapiebeginn auftretende Imbalancen der sagittal vertikalen Achse (SVA) können Hinweise auf eine Nachsinterung des Wirbelkörpers innerhalb von 12 Monaten sein.



