German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Sozioöknomische Belastung durch periprothetische Infektionen in der stationären Behandlung
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Im Jahr 2025 wurden im Endoprothesenregister Deutschland (EPRD) 6.289 Revisionen aufgrund von periprothetischen Infektion (PJI) von Hüft- oder Kniegelenkendoprothesen erfasst. Die PJI ist eine schwerwiegende Komplikation und geht mit einem prolongierten stationären Behandlungsaufenthalt einher. Durch Faktoren wie eine längerfristige intravenöse Antibiotikatherapie, postoperative Behandlung auf Intensiv-/Intermediate-Care-Station, allgemeine sowie patientenspezifische Komplikationen oder einen erhöhten perioperativen Transfusionsbedarf entstehen erhebliche Kosten. Insbesondere für Behandlungszentren der Maximalversorgung, ergibt sich hierdurch eine erhöhte sozioökonomische Belastung. Es stellt sich daher die Frage, ob die Therapieaufwendungskosten ausreichend durch die aktuellen Behandlungserlöse gedeckt werden.
Material und Methoden: Die Studie basiert auf einer retrospektiven Analyse von 185 Patienten (Durchschnittsalter: 71,2 Jahre) mit gesicherter PJI bei einliegender Hüft- oder Knieprothese welche zwischen 2017 und 2023 in einem Endoprothesenzentrum der Maximalversorgung behandelt wurden. Neben der Erfassung von Komorbiditäten, geführten Keimnachweisen und der Anzahl an Operationen, wurden die stationäre Aufenthaltsdauer auf Normal-, Intermediate-Care- und Intensivstation (ICU) erfasst. Darüber hinaus wurden Art und Länge der antibiotischen Therapie sowie Anzahl der verabreichten Blutprodukte dokumentiert. Basierend auf diesen Daten werden die Gesamtkosten der Behandlung ermittelt und mit den DRG-Erlösen verechnet, um eine Endbetragsermittlung durchzuführen. Weiterhin erfolgt ein Vergleich dieser Ergbnisse mit den Behandlungsendbeträgen von Patienten nach primärem endoprothetischen Gelenkersatz und einzeitigem Prothesenwechsel aufgrund einer aseptischen Lockerung.
Ergebnisse: Die mittlere stationäre Verweildauer des untersuchten Kolletivs lag bei 32,2 Tagen (±24,6). Diese war damit signifkant (p<0,01) länger als veröffentliche Liegezeiten nach Primärimplantationen (5 Tage ±2,5) und einzeitigem Wechsel aufgrund einer aseptischen Lockerung (7 Tage ±2,8). 32 Patienten (17,2%) mussten auf der ICU nachbehandelt werden. Im Mittel dauerte die Intensivtherapie 11,4 Tage (±20,1). Die ersten Auswertungen der durchschnittlichen DRG-Entgelter unter Abzug der Pflegeentgelter im Jahr 2023 erbrachten im Mittel 6.598,72€ für primäre Hüft- und 6.582,24€ für primäre Knieprothesenimplantationen. Bei Revisionseingriffen wurden 16.854,36€ (Hüftgelenk) respektive 12.827,34€ (Kniegelenk) ermittelt.
Diskussion und Schlussfolgerung: Bereits die vorläufigen Ergebnisse verdeutlichen den erhöhten Mehraufwand bei der Behandlung von Patienten mit PJI. Insbesondere die stationäre Verweildauer ist im Vergleich zu Primärimplantationen und einzeitigen Wechseln relevant erhöht, wodurch eine vermehrte sozioökonomische Belastung für spezialisierte Behandlungszentren entsteht. Die finalen Ergebnisse der vorliegenden Studie werden zeigen, ob die Leistungsvergütung ausreicht, um die Behandlungskosten zu decken und eine positiven Endbetrag zu erzielen.



