German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Was kommt nach Überleben und Extremitätenerhalt? Return-To-Sports nach Tumorendoprothetik hüftgelenksnaher maligner Knochentumore
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Die Wiederaufnahme von körperlicher Aktivität und Sport erlangt bei konstant hohen Überlebensraten durch die multimodale Therapie hüftgelenksnaher maligner Knochentumore eine zunehmende Bedeutung. Ein Großteil kann aktuell extremitätenerhaltend mit modularer Tumorendoprothetik behandelt werden. Es handelt sich vorwiegend um berufstätige Patienten mittleren Alters, die mitten im Leben stehen. Reliable Daten zum Return-To-Sports (RTS) sind kaum erhältlich. Ziel der vorliegenden Studie ist die Untersuchung der Wiederkehr zu körperlicher Aktivität und Sport nach Tumorendoprothetik am Hüftgelenk.
Material und Methoden: In die retrospektive Auswertung wurden n=42 Patienten (21w:21m; Alter 43,6±23, 4 J) mit malignen hüftgelenksnahen Knochentumoren eingeschlossen, die mittels modularer Tumorendoprothese (MUTARS®, Implantcast; Buxtehude) versorgt wurden. Neben Demographie sowie OP-assoziierten Parametern wurden Daten zur Rehabilitation, sportlichem Aktivitätsniveau und die RTS-Rate ermittelt. Schmerzen wurden als VAS (0–10), die Zufriedenheit mit OP/Rehabilitation als NRS (1–10) erfasst. Es erfolgt eine deskriptive statistische Auswertung der Ergebnisse.
Ergebnisse: Verteilung der Tumorentitäten: n=14 (33%) Chondrosarkom, n=10 (24%) Ewing-Sarkom, n=7 (17%) Metastase, n=6 (14%) Osteosarkom und je n=1 (2%) UP-Sarkom, NH-Lymphom, atypischer chondrogener Tumor, NOS-Sarkom. Die Lokalisation war bei n=33 (79%) das proximale Femur und bei n=9 (21%) das Becken. Bei n=36 (86%) erfolgte die Versorgung mittels Duokopf, bei n=6 (14%) mittels TEP, davon wurde in 50% ein Beckenteilersatz (MUTARS® LUMiC®) implantiert. Zum Follow-Up nach 46,0±48,9 Mo lag die Revisionsrate bei 29%, hiervon in 42% Wechseleingriffe bei Infekt. 81% erhielten KG (Umfang 35,5±40,0 Wo). Nur 60% durchliefen eine stationäre Reha-Maßnahme. Die Zufriedenheit mit OP/Rehabilitation wurde mit 9,1±1,4/7,8±2,5 angegeben. 52% gingen vor Diagnose einem regelmäßigen Sport nach (High-Impact≈Low-Impact, Intensität 4,0±2,8 h/Wo). Die RTS-Rate lag bei lediglich 27% nach 21,2±16,5 Mo. Es zeigte sich ein überwältigender Shift zu Low-Impact Sport, ein RTS zum High-Impact Sport wurde nicht beobachtet. Die Intensität reduzierte sich auf 3,3±2,5 h/Wo. Gründe für Non-RTS: 88% Schmerzen/ROM, 63% Leistungsminderung, 44% Verbot, 31% Angst. 40% (n=17) würden das Angebot einer additiven Spezialsprechstunde in Anspruch nehmen.
Diskussion und Schlussfolgerung: Bei Patienten nach tumororthopädischer Behandlung hüftgelenksnaher maligner Knochentumore findet sich ein hohes Aktivitätsniveau, welchem in der Nachbehandlung Rechnung getragen werden muss. Der RTS gelingt nur in einem geringen Anteil, eine Rückkehr zu High-Impact Sport erscheint aktuell nicht möglich. Dies scheint durch die eingeschränkte Gelenkfunktion bedingt zu sein, aber auch aus Sorge vor Folgeverletzungen. Es besteht eine Diskrepanz zwischen Patientenzufriedenheit mit OP versus Rehabilitation. Ggf. können verbesserte Reha-Angebote und eine bessere Patientenedukation, z.B. im Rahmen einer Spezialsprechstunde, zu höheren RTS-Raten führen.



