German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Geschlechterunterscheide bei der Versorgung des schweren Thoraxtraumas – eine Matchpair-Analyse aus dem TraumaRegister© DGU
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Zielsetzung und Fragestellung: Bei mehrfach verletzten Patienten ist die Thoraxregion in bis zu 50% der Fälle mitbetroffen. Vital gefährdende Verletzungen des Thorax können durch die Platzierung von Thoraxdrainagen suffizient therapiert werden. Eine variantenreichere Anatomie kann beim weiblichen Geschlecht die Häufigkeit der Drainagenanlage reduzieren, was einen potenziellen Überlebensnachteil bedeutet. Diese Untersuchung soll diese Hypothese für die Schwerverletzenversorgung in Deutschland überprüfen.
Material und Methoden: Es wurde eine retrospektive Match-Pair-Analyse der Jahre 2015–2024 des TraumaRegister© DGU (TR-DGU) durchgeführt (TR-ID 2025-033). Die eingeschlossenen Patienten:innen wurden nach dem biologischen Geschlecht (weiblich oder männlich) unterschieden und gematcht (10.211 Paare, F und M als Gruppen). Das Matching erfolgte unter den Kriterien: Altersgruppen, Schwere des Thoraxtraumas (Abbreviated Injury Scale AIS, 3/4/5-6), SHT (AIS 3+), abdominelle Verletzung (AIS 3+), Extremitätenverletzung (AIS 3+), Vigilanz (GCS 3-8), Schock (RR <90 mmHg), Unfallmechanismus (Auto, Motorrad, Fahrrad, Fußgänger, HighFall >3 m, LowFall).Es wurde die Anzahl der prähospital und im Schockraum etablierten Thoraxdrainagen ausgewertet. Dabei wurden die erfassten Indikationen zur Anlage einer Thoraxdrainage ((Spannungs)-pneumothorax& Hämatothorax) gesondert ausgewertet. Die statistische Auswertung erfolgte beschreibend (Signifikanzniveau von p=0,05). Die Mortalitätsprogonose wurde mit dem RISCIII-Score bewertet.
Ergebnisse: Injury Severity Score in beiden Gruppen betrug 26 Punkten. Sie unterschieden sich im Mittelwert nicht für die prähospitale Versorgungszeit, die OnScene-Zeit, die Behandlungstage auf der Intensivstation oder die Krankenhausliegedauer. Physiologisch zeigten beide Kollektive keine signifikanten Unterschiede bei Aufnahme im Schockraum (sysRR, Base Excess, Hämoglobin). Die Versorgung wurde überwiegend in überregionalen Traumazentren durchgeführt (F 81,9% vs. M 82,9%). In F hatten signifikant mehr Verletzungen eine mutmaßlich suizidaler Absicht (F 8,5% vs. 5,4%), wobei der Anteil der mutmaßlichen Gewaltverbrechen (F 1,6% vs. 1,3%) sich ebenso wie der Anteil der penetrierenden Thoraxverletzungen (F 2,7% vs. 2,8%) nicht signifikant unterschied. Es erhielten siginifikant mehr Männer bei bestehender Indikation prähospital eine Thoraxdrainage (F 5,2% vs. M 7,5%). Dieser Effekt zeigte sich weniger deutlich bei den Thoraxdrainagenanlagen im Schockraum (F 19.8% vs. M 21,3%). Bei bestehendem Spannungspneumothorax zeigten sich keine Unterschiede bei der Anlage (F 71,7% vs. M 69,2%). Beide Gruppen zeigten eine geringere beobachtete Mortalität im Vergleich zur RISCIII-Prognose (F 15,7%/17,5% vs. M 16,8%/18,0%).
Diskussion und Schlussfolgerung: Das weibliche Geschlecht erhielt bei gleicher Indikation weniger Thoraxdrainagen, ohne dass ein Überlebensnachteil entsteht. Als Gründe können kulturelle oder anatomische Aspekte oder die Übertherapie der Männer (M) diskutiert werden. Als Limitation sind Minithorakotomien ohne Drainageneinlage nicht erfasst.



