German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Chirurgisches Management komplexer Pseudarthrosen bei Thoraxwandinstabilität: Fokus auf posteriore Rippenfrakturen, parasternalen Knorpelriss und Kostalmarginverletzungen
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Zielsetzung und Fragestellung: Pseudarthrosen von Rippen, des parasternalen Knorpels und der Kostalmargin sind seltene, aber funktionell hoch relevante Spätfolgen thorakaler Traumata. Insbesondere posterior gelegene Rippenpseudarthrosen, parasternal gelegene Knorpelrupturen sowie Rupturen des kostalen Bogens (Costal Margin Rupture) werden häufig übersehen, führen jedoch zu persistierenden thorakalen Schmerzen, mechanischer Instabilität, paradoxen Atembewegungen und Einschränkungen der Lungenfunktion. Ziel der Studie ist es, das chirurgische Management dieser komplexen Pseudarthrosen systematisch zu analysieren und zu beschreiben.
Material und Methoden: Es erfolgte ein narrativer Review der aktuellen Literatur zur Ätiologie, Diagnostik und operativen Therapie komplexer Thoraxwand Pseudarthrose mit Fokus auf posteriore Rippenpseudarthrosen, parasternalen Knorpel und Kostalmarginverletzungen. Berücksichtigt wurden bildgebende Verfahren (CT, MRT, dynamischer Ultraschall), etablierte Klassifikationen (u.a. Sheffield Klassifikation) sowie chirurgische Strategien inkl. winkelstabiler Plattenosteosynthesen, intramedullärer Splints und netzverstärkter Rekonstruktionen. Eigene Fallbeispiele illustrieren die Umsetzung moderner Techniken.
Ergebnisse: Pseudarthrosen der Thoraxwand treten vor allem nach Hochenergie Trauma oder repetitiver Mikrotraumatisierung (z.B. chronischer Husten) auf und werden durch Osteoporose, Nikotinabusus und Malnutrition begünstigt. Posteriore Rippenpseudarthrosen bleiben aufgrund der tiefen Lage und muskulären Überdeckung häufig unterdiagnostiziert und werden initial nicht zielgerichtet behandelt. Parasternaler Knorpelriss und Kostalmarginrupturen sind klinisch wie radiologisch schwer zu erfassen, können jedoch zu Instabilität, paradoxen Bewegungen, Herniation und anhaltenden Schmerzen führen. CT mit 3D Rekonstruktion ist Goldstandard zur Darstellung knöcherner Defekte und Deformitäten, während MRT und dynamischer Ultraschall insbesondere Knorpel und Weichteilinstabilitäten verlässlich nachweisen. Ausgedehente rekonstruktive operative Stabilisierung nach Komplikationen durch Pseudarthrosen erzielt in den verfügbaren Serien hohe Konsolidationsraten (>90%), relevante Schmerzreduktion, Funktionsverbesserung und hohe Patientenzufriedenheit bei vertretbarer Komplikationsrate (Infektionen ca. 4–5%, Implantatversagen bis 10%). Minimalinvasive Verfahren erweitern die Möglichkeiten insbes. posterior zur Prävention von Pseudarthrosen.
Diskussion und Schlussfolgerung: Komplexe Pseudarthrosen der Thoraxwand, vor allem im posterioren und parasternalen Bereich sowie am Kostalmargin, erfordern eine spezialisierte, multidisziplinäre Beurteilung und ein individualisiertes operatives Vorgehen. Moderne Implantate und Techniken ermöglichen eine stabile Rekonstruktion mit sehr guten funktionellen Ergebnissen. Eine frühzeitige, strukturierte Diagnostik und konsequente Indikationsstellung sind entscheidend, um chronische Schmerzen, mechanische Thoraxwandinstabilität und respiratorische Langzeitfolgen zu vermeiden.



