German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Kurzzeit-Ergebnisse einer neuen operativen Technik zur Behandlung chronischer anteriorer Schulterinstabilität
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Beim Flipped-Latarjet-Verfahren (Raiss et al, 2024) wird die kraniale Fläche des Coracoids angefrischt, über die SSC-Sehne auf den Glenoiddefekt transferiert und mittels Tapecerclage fixiert, so dass der SSC-Split entfällt, der Sling-Effekt jedoch potentiell erhalten bleibt. Das Ziel der vorliegenden Arbeit war die Nachuntersuchung von 20 Patienten, die ab August 2024 mit einer modifizierten flipped-Latarjet-OP an unserer Klinik behandelt wurden.
Material und Methoden: Die OP erfolgte gemäß Raiss et al. mit arthroskopisch über das dorsale Portal eingebrachtem glenoidalen Zielgerät und darüber Einbringen von 2 kanülierten Bohrern von dorsal. Als Modifikation zur Raiss-Technik erfolgte die Coracoidosteotomie mini-offen und die Fixation mittels doppelten Endobutton-Paar. Alle Patienten erhielten postoperativ eine Computertomographie (CT). Nach einem Follow-up von mindestens 6 Monaten erfolgte die Evaluation u.a. mittels Schulter-Scores und Numerischer Rating Skala (NRS). Der Vergleich zwischen operierter vs gesunder Schulter umfasste Range of Motion(ROM) und Muskelkraftmessung für die Innenrotation(IRO).
Ergebnisse: Von 08/2024 bis 07/2025 wurden 20 Patienten in der Technik operiert, von denen 19 Patienten dem follow-up zur Verfügung standen (27,7±8,9 Jahre; 17 männlich, 2 weiblich). Bei n=9 war eine Voroperation erfolgt, bei einem Patienten 2 Vor-OPs. Der Follow-Up-Zeitraum betrug 12±3 Monate. Es zeigten sich intra- und postoperativ keine relevanten Komplikationen, so traten keine Coracoid-Fraktur oder -Dislokation, Nervenläsionen, Wundheilungsstörungen oder Infektionen auf. Es trat kein erneutes Luxationsereignis auf. Im Vergleich der gesunden zur operierten Seite betrug die ROM für Anteversion 172°± 7° vs 171°± 7° und für Abduktion 180° vs. 180°, jeweils ohne signifikanten Unterschied. Die ROM für IRO in Abduktion betrug entsprechend 70°± 14° vs 67°±14° (p<0,05). Die Kraftmessung der IRO ergab für die gesunde vs. operierte Seite 11,6±3,0 kg vs. 9,7±2,0kg (p<0.05). Die Scores zeigten gute Ergebnisse mit Melbourne Instability Shoulder Scale von 83±13, Western Ontario Shoulder Instability Index 39±20, Subjective Shoulder Value 80±11, Constant Score 80±11, Ruhe-Schmerz NRS 0,3±0,7, Belastungsschmerz NRS 1,6±2,2. Im postoperativen CT hatte sich in keinem der 19 Fälle eine Fehlpositionierung des Graftes oder der insgesamt 4 Endobuttons gezeigt. Bei n=16 waren im Mittel nach 2,6 ±1,7 Monaten nativradiologische Kontrollen in 3 Ebenen erfolgt, die in allen Fällen eine unveränderte Stellung mit zeitgerechter Durchbauung zeigten.
Diskussion und Schlussfolgerung: Die modifizierte flipped-Latarjet-OP stellt im kurzfristigen follow-up eine sichere und komplikationsarme Option mit guten Ergebnissen zur Therapie der chronisch-anteriorenInstabilität dar. Lediglich für die Rotation waren statistisch signifikante Unterschiede zu beobachten. Ob diese auf die Technik oder auf das kurzfristige Follow-Up zurückzuführen sind, müssen weitere Studien mit längerem Follow-Up und mit dem Vergleich zur klassischen Latarjet-Operation zeigen.



