German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Patienten- statt implantatbezogene Prädiktoren bestimmen Revision und Implantatentfernung nach isolierten Olekranonfrakturen: Eine 15-Jahres-Kohortenstudie
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Zielsetzung und Fragestellung: Die Langzeitergebnisse nach operativer Versorgung von Olekranonfrakturen sind bislang unzureichend untersucht, insbesondere hinsichtlich verlässlicher Prädiktoren für Komplikationen, Revisionsoperationen und Implantatentfernungen. Sowohl die Plattenosteosynthese (PF) als auch die Zuggurtungsosteosynthese (TBW) werden routinemäßig bei Mayo-IIA/IIB-Frakturen eingesetzt und zeigen vergleichbare kurz- und mittelfristige Ergebnisse. Dennoch bestehen weiterhin Unklarheiten bezüglich implantatassoziierter Ereignisse und patientenspezifischer Risikofaktoren. Langzeitdaten aus der klinischen Routineversorgung sind daher erforderlich, um die chirurgische Entscheidungsfindung evidenzbasiert zu unterstützen.
Material und Methoden: In dieser retrospektiven monozentrischen Kohortenstudie wurden 634 zwischen 2008 und 2023 operativ versorgte Olekranonfrakturen analysiert. Insgesamt wurden 304 isolierte Olekranonfrakturen (Mayo II–III) eingeschlossen, darunter 259 Mayo-IIA/IIB-Frakturen (PF: n=161; TBW: n=98). Primäre Endpunkte waren Patient-Rated Elbow Evaluation, Disabilities of the Arm, Shoulder and Hand Score, visuelle Analogskala, Komplikationsraten, Revisionsoperationen und symptomgetriebene Implantatentfernungen. Gruppenvergleiche erfolgten mittels Mann-Whitney-U-Test sowie Chi-Quadrat- bzw. Fisher-Exact-Test. Unabhängige Prädiktoren wurden mittels multivariater Regressionsanalyse identifiziert (Alter, Geschlecht, Sport, Mayo-Klassifikation, Nikotinabusus, Osteoporose, Osteopenie, Diabetes mellitus).
Ergebnisse: Die mediane Nachbeobachtungszeit der Gesamtkohorte (Mayo II–III) betrug 64,5 Monate (IQR 41,3–113,5). In der multivariaten Regressionsanalyse stellte Osteoporose einen unabhängigen Risikofaktor für Revisionsoperationen dar (OR 3,63; p=0,047). Jüngeres Alter und sportliche Aktivität waren unabhängig mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für eine Implantatentfernung verbunden (OR 0,95 pro Lebensjahr; p<0,001; Sport OR 5,16; p<0,001). Bei Mayo-IIA/IIB-Frakturen zeigten unadjustierte Analysen höhere Implantatentfernungsraten nach TBW (59,2% vs. 45,6%; p = 0,034). Nach Adjustierung für Alter, Geschlecht und Osteopenie war dieser Unterschied jedoch nicht mehr signifikant (OR 1,21; p = 0,207), was darauf hindeutet, dass patientenbezogene Faktoren und nicht die Implantatwahl die Entfernung beeinflussen. Die funktionellen Ergebnisse waren zwischen PF und TBW vergleichbar. TBW-Implantate wurden früher entfernt als Platten (Median 8,2 vs. 10,3 Monate; p = 0,014).
Diskussion und Schlussfolgerung: Patientenbezogene Faktoren, insbesondere Alter und Knochenqualität, sind die entscheidenden Determinanten für Revisionsoperationen und Implantatentfernungen nach Osteosynthese von Olekranonfrakturen. Das Osteosyntheseverfahren hatte nach Adjustierung keinen unabhängigen Einfluss auf Implantatentfernung, Revisionsoperation oder Komplikationsrate. Diese Ergebnisse relativieren die verbreitete Annahme eines grundsätzlich erhöhten Entfernungsrisikos bei TBW und unterstreichen die Bedeutung einer patientenzentrierten Therapieentscheidung.



